Wie man Pfad­fin­den Nicht-Pfadfinder*innen erklärt

20.12.2020
Foto: Adina Memmer

Adi­na Mem­mer vom Stamm Ala­nen in Pots­dam stellt die Pfad­fin­der vor:

Sze­na­ri­en gibt es genügend …

Im Vor­stel­lungs­ge­spräch der Blick auf die lan­ge Spal­te „Ehren­amt“ in dei­nem Lebens­lauf. Neu­gie­ri­ge Eltern bei der Wöl­f­lin­ge-Wer­be­ak­ti­on. Dein Freun­des­kreis weiß seit Jah­ren immer noch nicht, was du eigent­lich so in Kluft und Hals­tuch treibst. Mon­tag­mor­gen in der Schu­le und du schläfst fast ein, weil du über­mü­det vom ver­gan­ge­nen Lager am letz­ten Wochen­en­de bist. All dies führt zu einer Fra­ge: „Sag mal, was macht man eigent­lich bei den Pfadfindern?“

Pfad­fin­den Nicht-Pfadfinder*innen zu erklä­ren, gestal­tet sich meist schwie­rig. Denn wenn wir anfan­gen zu erzäh­len, wis­sen wir oft gar nicht, wo wir anfan­gen sol­len und wie wir unse­rem Gegen­über begreif­lich machen kön­nen, was Pfad­fin­den ist und vor allem, was es für uns bedeutet.

Eine der Welt­pfad­fin­der­or­ga­ni­sa­tio­nen, in denen der Bund der Pfad­fin­de­rin­nen und Pfad­fin­der e.V. (BdP) Mit­glied ist – WOSM – hat das ein­mal ver­sucht, so kurz und knapp wie mög­lich aufzuschreiben:

Kern­bot­schaft 1: Was machen wir?

Pfad­fin­den ist die größ­te Jugend­bil­dungs­be­we­gung der Welt mit über 50 Mil­lio­nen Mit­glie­dern. Wir geben Kin­dern und Jugend­li­chen durch wer­te­ba­sier­te Pro­gram­me außer­halb der Schu­le den Raum und das Hand­werks­zeug, um welt­of­fe­ne, erfüll­te Bürger*innen zu wer­den, die ihr Umfeld und die Welt posi­tiv mitgestalten.

Kern­bot­schaft 2: Wie machen wir das?

Das machen wir, indem unse­re Pro­gram­me auf der Pfad­fin­der­me­tho­de auf­bau­en: Wir leben und ler­nen in der Natur und in Klein­grup­pen Gleich­alt­ri­ger. Wir fin­den Lear­ning by Doing wich­tig und set­zen uns für die Gemein­schaft ein, in der wir leben – im Gro­ßen wie im Klei­nen. Über all dem spannt sich ein sym­bo­li­scher Rah­men, zu dem ein Ver­spre­chen und unse­re Kluft/Halstuch zählen.

Wir im BdP bil­den Kin­der und Jugend­li­che auf ver­schie­dens­te Arten: Manch­mal ver­mit­teln wir Pro­jekt­ma­nage­ment, zum Bei­spiel wenn jemand das ers­te Mal einen Kurs oder ein Lager orga­ni­sie­ren darf. Manch­mal ver­mit­teln wir den Stel­len­wert von Empa­thie, wenn es im Pro­gramm so lan­ge nicht wei­ter­geht, bis die Wun­de des Kin­des ver­arz­tet ist. Und manch­mal beschäf­ti­gen wir uns sehr kon­kret mit The­men, zu denen sich unse­re Mit­glie­der eine Mei­nung und eine Hal­tung bil­den: Nach­hal­tig­keit, Demo­kra­tie, Viel­falt usw. Alles was wir tun, hat den Hin­ter­grund, Kin­dern und Jugend­li­chen etwas zu ver­mit­teln, auch wenn wir das vor lau­ter Spaß und net­ten Men­schen oft nicht im Vor­der­grund sehen. Das ist Bildung.

Für mich ist Pfad­fin­den so vie­les, dass ich hier wahr­schein­lich gar nicht den Platz hät­te, um alles nie­der­zu­schrei­ben. Ich wer­de es ver­su­chen: Es ist ein Ort, an dem ich mich aus­pro­bie­ren kann, an dem ich über mei­ne Gren­zen hin­aus­wach­sen, aber auch mal schei­tern kann. Es ist ein Ort, der mir vie­le unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten bie­tet, an mir zu wach­sen und Erfah­run­gen zu sam­meln. Ein Ort, an dem vie­le mei­ner Freun­de sind und ich gelernt habe zu dis­ku­tie­ren, zu mei­ner Mei­nung zu ste­hen, aber auch auf ande­re ein­zu­ge­hen, ande­ren zu hel­fen, auf mein Umfeld zu ach­ten und so wei­ter, und so weiter …

Für mich ist Pfad­fin­den eine Lebens­ein­stel­lung und ein unglaub­li­cher Schatz in mei­ner bis­he­ri­gen Ent­wick­lung. Von den Erfah­run­gen bei mei­ner Orts­grup­pe, als Grup­pen­lei­tung mit 16 Jah­ren, als Kas­sen­war­tin und spä­ter mit Ver­ant­wor­tung als Orts­grup­pen­lei­tung (Stam­mes­lei­tung), bis hin zu mei­nen guten Freun­den ein­mal quer durch Deutsch­land und über die gan­ze Welt (Aus­tra­li­en, Hong­kong, Däne­mark und den USA), die ich bei mei­nen vie­len Aktio­nen, Lagern und Fahr­ten ken­nen­ge­lernt habe. Bei all die­sem ist Pfad­fin­den die trei­ben­de Kraft gewe­sen, um all die­se Erfah­run­gen sam­meln zu kön­nen, und ich wün­sche es jedem Kind und Jugend­li­chen einen sol­chen Ort zu finden.

Gut Jagd, gut Pfad und seid wach
Adi­na

Infos: stammalanen.de, Insta­gram: Stamm_Alanen

Die­ser Arti­kel bedient sich aus ver­schie­de­nen Publi­ka­tio­nen des Welt­ver­bands WOSM, die gibt es unter services.scout.org/service/11 und scout.org/method.