Schla­fen Teil 6: Schlaft schön!

25.08.2020
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Die Puber­tät bringt neue Schlaf­ge­wohn­hei­ten mit sich

In der Woche gehen sie abends oft viel spä­ter ins Bett als die Eltern. Mor­gens über­hö­ren sie hart­nä­ckig den Wecker und brum­meln am Früh­stücks­tisch nur unver­ständ­lich vor sich hin. Am Wochen­en­de schla­fen die Jugend­li­chen dann min­des­tens bis mit­tags. Will­kom­men in der Puber­tät! In die­sem neu­en Lebens­ab­schnitt ändert sich so vie­les, da erstaunt es wenig, dass auch die Schlaf­ge­wohn­hei­ten auf den Kopf gestellt wer­den.

Wäh­rend Grund­schul­kin­der zwi­schen 8 und 12 Stun­den Schlaf benö­ti­gen, kom­men Jugend­li­che nach Anga­ben der Deut­schen Gesell­schaft für Schlaf­for­schung und Schlaf­me­di­zin (DGSM) im Schnitt mit 7 bis 9 Stun­den Schlaf aus. Der gesam­te Schlafrhyth­mus ver­schiebt sich nach hin­ten. „Das hat aller­dings eher etwas mit den ver­än­der­ten Lebens­ge­wohn­hei­ten der Jugend­li­chen in der Puber­tät zu tun, als mit dem breit ange­leg­ten Umbau des Kör­pers“, sagt Tho­mas Erler, Ärzt­li­cher Lei­ter und Chef­arzt der Kin­der- und Jugend­kli­nik am Kli­ni­kum West­bran­den­burg in Pots­dam und Lei­ter des Kin­der-Schlaf­la­bors.

Per­ma­nent über­mü­de­ten Jugend­li­chen rät er, auf mehr Schlaf­hy­gie­ne zu ach­ten. Das heißt: Licht- und Lärm­quel­len sowie extre­me Tem­pe­ra­tu­ren im Schlaf­zim­mer zu ver­mei­den, auf das Fern­se­hen und Com­pu­ter­spie­len im Bett zu ver­zich­ten und vor dem Schla­fen­ge­hen zur Ruhe zu kom­men. Dabei kön­nen Ritua­le wie Musik hören, Lesen oder noch ein­mal mit dem Hund raus­ge­hen hel­fen. Kon­tra­pro­duk­tiv sind Alko­hol, Sport, auf­re­gen­de Fil­me und Com­pu­ter­spie­le sowie ange­streng­tes Ler­nen direkt vor dem Schla­fen­ge­hen. Gut ist es hin­ge­gen, sich tags­über viel an der fri­schen Luft zu bewe­gen, um abends müde und ent­spannt ein­schla­fen zu kön­nen. Wer Ein­schlaf­pro­ble­me hat, soll­te ab dem Mit­tag auf Kof­fe­in ver­zich­ten und tags­über höchs­tens 20-Minu­ten-Nicker­chen machen (und das auch nicht erst am spä­ten Nach­mit­tag).

Dass in der Puber­tät alles ein biss­chen durch­ein­an­der ist, ist völ­lig nor­mal. Durch­ge­mach­te Näch­te am Wochen­en­de und Schla­fen bis hin­ein in den Nach­mit­tag gehö­ren in den Feri­en eben­falls dazu. Aller­dings lässt sich ein per­ma­nen­tes Schlaf­de­fi­zit auf lan­ge Sicht nicht auf­ho­len. „Auch auf Vor­rat zu schla­fen, funk­tio­niert nicht“, sagt Erler. „Wenn wir auf Dau­er zu wenig schla­fen, sam­meln wir in unse­rem Leben eine Art Schlaf­schuld an, die den Alte­rungs­pro­zess beschleu­ni­gen kann.“ Auch die Kon­zen­tra­ti­ons- und Leis­tungs­fä­hig­keit lei­de.

Klar, kön­nen Eltern auch ihren puber­tie­ren­den Kin­dern gut zure­den und Gren­zen set­zen, was das nächt­li­che Heim­kom­men angeht. Schwie­ri­ger wird es, wenn sie ver­su­chen, den „Kin­dern“ vor­zu­schrei­ben, wann genau sie tat­säch­lich ein­schla­fen sol­len. „Dass Jugend­li­che ihr Schlaf­ver­hal­ten selbst steu­ern wol­len, gehört zum Erwach­sen­wer­den dazu“, sagt Erler. Mit der Zeit kom­me auch die Ein­sicht. Alles ganz nor­mal also. (Maren Herbst)