Hund, Kat­ze, Rat­te – Wel­ches Haus­tier passt zu uns?

04.10.2021

Für eini­ge Fami­li­en ist die­ses The­ma ein Dau­er­bren­ner: das Haus­tier. Vie­le Kin­der wün­schen sich nichts sehn­li­cher als einen tie­ri­schen bes­ten Freund. Das ers­te Coro­na-Jahr brach­te einen Rekord beim Ver­kauf von Heim­tier­be­darf und es gab 25 Pro­zent mehr Regis­trie­run­gen für Hun­de als im Vor­jahr. Das Inter­es­se war und ist also groß, begüns­tigt durch Home­of­fice, Kurz­ar­beit, weni­ger Frei­zeit­mög­lich­kei­ten. Das gesam­te Maß an Ver­ant­wor­tung muss aller­dings vor der Anschaf­fung gut über­legt wer­den: Ist auch in Zukunft noch genug Zeit? Wer küm­mert sich, wenn man in den Urlaub gefah­ren ist? Sind auch im Krank­heits­fall alle Kos­ten tragbar?

Die­ser Arti­kel ist ein Plä­doy­er für das Haus­tier. Haus­tie­re hel­fen gegen Ein­sam­keit und schlech­te Lau­ne, wir­ken gegen Stress, erwei­tern unse­ren Inter­es­sens­ho­ri­zont, sen­si­bi­li­sie­ren uns und tun der See­le ein­fach gut.

Natür­lich geht es beim Haus­tier vie­len in ers­ter Linie dar­um, dem Kind einen Freund zu schen­ken und sein Leben zu berei­chern. Dabei ist ein Tier auch die Chan­ce, wie­der mehr Bezug zu Natür­lich­keit und Ursprüng­lich­keit her­zu­stel­len. Ihr wisst es sel­ber: In frü­he­ren Zei­ten hat­te gefühlt jeder drit­te Nach­bar Hüh­ner im Gar­ten, Hun­de und Kat­zen lie­fen frei durch den Ort und das ers­te Haus­tier war bei vie­len von uns ein Schmet­ter­ling oder Gras­hüp­fer im Schuh­kar­ton. Die Lebens­rea­li­tät der Kin­der heu­te ist eine ande­re. Ein Grund mehr, mit einem Haus­tier neben der Freu­de auch ein ver­stärk­tes Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl mitzugeben.

Wir stel­len euch hier eini­ge Haus­tie­re vor. Viel­leicht ist ja das rich­ti­ge für euch dabei?

UNTERHALTSAM: MAUS
Micky, Fei­vel oder Stuart Litt­le: Mäu­se sind nied­lich und Kin­der lie­ben sie. Als Haus­tier bie­ten sie einen gro­ßen Unter­hal­tungs­fak­tor, denn im Maus­ge­he­ge ist immer was los. Dort wird gewühlt, geklet­tert, gezankt, geschmust und genascht. Als Haus­tier gibt es die Maus nicht im Sin­gu­lar, die Tie­re müs­sen in Grup­pen gehal­ten wer­den. Doch Vor­sicht, wenn ihr Männ­chen und Weib­chen zusam­men woh­nen lasst, gibt es schnell Nach­wuchs. Auch soll­tet ihr beden­ken, dass Mäu­se kei­ne Kuschel­tie­re sind. Schmu­sen und kuscheln ist nicht drin, denn die Tie­re ent­wi­schen leicht. Mäu­se eig­nen sich gut für Beob­ach­ter und Anfän­ger, da sie sehr pfle­ge­leicht sind.

ALLERGIKERFREUNDLICH: SCHILDKRÖTE
Ob an Land oder zu Was­ser, bei­de Arten sind sehr beliebt. Unkom­pli­zier­ter und pfle­ge­leich­ter sind sicher­lich Land­schild­krö­ten. Ihr könnt sie in der Woh­nung hal­ten und im Som­mer ein­fach mit in den Gar­ten neh­men. Ein Ter­ra­ri­um bzw. Gehe­ge brau­chen sie aber in jedem Fall. Land­schild­krö­ten sind ide­al für All­er­gi­ker geeig­net. Auch beim Fut­ter sind sie recht anspruchs­los und fres­sen am liebs­ten das, was auf der hei­mi­schen Wie­se wächst. Sie las­sen sich strei­cheln und erken­nen sogar ihre Besitzer.

BERUHIGEND: FISCHE
Fische sind und blei­ben der Ein­stiegs-Klas­si­ker. Sie sind die idea­le Mög­lich­keit, wenn sich euer Kind an mehr Ver­ant­wor­tung trau­en soll. Regel­mä­ßi­ges Füt­tern (nicht zu viel, nicht zu wenig), ab und zu die Was­ser­tem­pe­ra­tur über­prü­fen und mit neu­en Pflan­zen auf­fri­schen – das war‘s. Neben­bei macht das Aqua­ri­um auch optisch was her. Das wohn­li­che Acces­soire hat dabei zwei posi­ti­ve Neben­ef­fek­te. Die anmu­tig schwim­men­den Fische und die Licht­re­fle­xe wir­ken beru­hi­gend, aber was vie­le nicht wis­sen: Ein Aqua­ri­um im Zim­mer ist ein guter Luft­be­feuch­ter. Davon pro­fi­tiert ihr vor allem im Win­ter oder wenn euer Kind Pro­ble­me mit Asth­ma hat.

ACTIONREICH: HUND
Er ist und bleibt als Beglei­ter unschlag­bar: der Hund. Der bes­te Freund des Men­schen ist das per­fek­te Fami­li­en­mit­glied und wahr­schein­lich der Traum eines jeden Kin­des. Es gibt kei­nen bes­se­ren Garan­ten für regel­mä­ßi­ge Bewe­gung an der fri­schen Luft. Denn ein Hund, der beim Zücken sei­ner Lei­ne nicht schwanz­we­delnd in Begeis­te­rung aus­bricht, ist ein kran­ker Hund. Wenn ihr also eurem Kind in Sachen Fit­ness einen Stups in die akti­ve Rich­tung geben wollt, dann zögert nicht. Doch nicht nur Couch-Pota­toes wer­den her­aus­ge­for­dert, son­dern auch die Ein­sied­ler: Ein Hund erregt immer Auf­merk­sam­keit und sorgt für Gele­gen­hei­ten, mit Nach­barn und ande­ren Hundebesitzer*innen ins Gespräch zu kom­men. Was man auf jeden Fall beach­ten soll­te: Jede Hun­de­ras­se hat eige­ne Anfor­de­run­gen an sei­ne Men­schen. Es gibt aus­ge­spro­chen ruhi­ge Hun­de­ras­sen, aber auch sol­che, die beson­ders viel Aus­lauf brau­chen oder eine auf­wän­di­ge Fell­pfle­ge. Intel­li­gen­te Hun­de benö­ti­gen eine her­aus­for­dern­de Beschäf­ti­gung, weil sie sich sonst lang­wei­len. Über die jewei­li­gen Anfor­de­run­gen soll­te man sich vor der Anschaf­fung eines Hun­des im Kla­ren sein.

PFLEGELEICHT: RATTE
Die Rat­te wird als Haus­tier völ­lig unter­schätzt. Ihr akti­ves, auf­ge­weck­tes Wesen kommt bei Kin­dern gut an. Rat­ten sind neu­gie­rig, intel­li­gent, gesel­lig und im Ver­gleich zu Kanin­chen und Hams­tern ziem­lich stress­re­sis­tent. Beim Füt­tern könnt ihr auch wenig falsch machen, denn die robus­ten Nager ver­tra­gen so gut wie alles oder neh­men erst gar nicht an, was ihnen nicht bekommt (Hän­de weg von Avo­ca­dos). Auch las­sen sich Rat­ten leicht trai­nie­ren. Für Kin­der, die sich ger­ne und viel mit ihrem Tier beschäf­ti­gen, ist das ide­al. Die Klet­ter­künst­ler kön­nen sich gut fest­hal­ten und es pas­siert ihnen in der Regel nichts, soll­ten sie doch ein­mal herunterfallen.

SELBSTBESTIMMT: KATZE
Wer sein Zuhau­se mit einer Kat­ze teilt, der teilt sein Zuhau­se. Denn eine Kat­ze läuft in den sel­tens­ten Fäl­len ein­fach so „neben­her“. Sie braucht Raum zur Ent­fal­tung ihrer Per­sön­lich­keit und genau das ist es, was Men­schen so an ihr lie­ben. Die Kat­ze lässt sich nicht über das von ihr gedul­de­te Maß erzie­hen, son­dern bleibt selbst­be­stimmt. Vie­le Eltern fin­den aber gera­de das an ihr toll: Sie lässt nicht alles mit sich machen und so ler­nen Kin­der, Gren­zen zu respek­tie­ren. Natür­lich spie­len und schmu­sen Kat­zen auch ger­ne. Und wer selbst eine zuhau­se hat, wird das bestä­ti­gen: Es gibt nichts Schö­ne­res, als eine schnur­ren­de Kat­ze neben (oder auf) sich zu haben.

WO SIND DIE HASEN?
Ihr wer­det euch viel­leicht wun­dern, war­um Meer­schwein­chen, Kanin­chen und Hams­ter nicht in unse­rer Auf­lis­tung auf­tau­chen. Alle drei gehö­ren mit zu den belieb­tes­ten Haus­tie­ren, sind aber aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht für klei­ne Kin­der geeig­net. Meer­schwein­chen nei­gen schnell zu Kno­chen­brü­chen und ver­let­zen sich schon beim Sturz aus kleins­ter Höhe. Kanin­chen sind, genau wie Meer­schwein­chen, Flucht­tie­re, brau­chen viel Bewe­gung und wol­len nicht gefan­gen wer­den. Und Hams­ter sind zum einen nacht­ak­tiv, was Kin­dern so gut wie kei­nen Nut­zen bringt, zum ande­ren ist eine art­ge­rech­te Hal­tung sehr auf­wän­dig. Heißt: Sie benö­ti­gen ein hohes Ter­ra­ri­um oder einen ver­gleich­ba­ren Kas­ten mit ver­schie­de­nen Ebe­nen zum Bud­deln. Das hat den Neben­ef­fekt, dass man die Tie­re sehr sel­ten zu Gesicht bekommt. Zwingt man sie gegen ihren Bio­rhyth­mus, sich zu zei­gen, wer­den sie gestresst und kön­nen zu aggres­si­vem Ver­hal­ten nei­gen. Für älte­re Kin­der sind alle drei aber kein Problem.

Text: Susan­ne Sal­kic / Aria­ne Lin­de, Illus­tra­tio­nen: Lui­sa Hartkopf