Schla­fen Teil 4: Wenn der Atem stockt

25.08.2020
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Gefähr­li­che Apno­en gibt es auch bei Kindern

Dass man­che Erwach­se­ne in der Nacht Atem­aus­set­zer haben, ist bekannt. Durch Ver­an­la­gung, eine schlaf­fe Rachen­mus­ku­la­tur, ange­bo­re­ne Fehl­stel­lun­gen des Unter­kie­fers oder eine Nasen­schei­de­wand­ver­krüm­mung kann die Atmung behin­dert wer­den. Wei­te­re Risi­ko­fak­to­ren für die „Obstruk­ti­ve Schlaf­apnoe“ sind Über­ge­wicht und regel­mä­ßi­ger Alko­hol­kon­sum. Aber bei Kin­dern? „Ja, das gibt es auch“, sagt Tho­mas Erler, Ärzt­li­cher Lei­ter und Chef­arzt der Kin­der- und Jugend­kli­nik am Kli­ni­kum West­bran­den­burg in Pots­dam und Lei­ter des Kin­der-Schlaf­la­bors. „Bei Kin­dern sind oft ver­grö­ßer­te Rachen- oder Gau­men­man­deln die Ursa­che für die nächt­li­chen Atem­aus­set­zer. Auch Kin­der mit Lip­pen-Kie­fer-Gau­men­spal­te oder einer Rück­ver­la­ge­rung des Unter­kie­fers kön­nen nachts Atem­pro­ble­me bekommen.“

Schnarcht ein Kind über einen län­ge­ren Zeit­raum, soll­ten Eltern das ernst neh­men. Atem­aus­set­zer beein­träch­ti­gen die Qua­li­tät des Schla­fes und füh­ren gera­de bei jün­ge­ren Kin­dern auf Dau­er zu Ent­wick­lungs- und Wachs­tums­ver­zö­ge­run­gen. Wird die Atmung im Schlaf behin­dert, kommt es zu einem Abfall des Sauer­stoff­ge­halts im Blut. Das merkt das Gehirn glück­li­cher­wei­se und das Kind wacht von selbst auf, damit die Mus­ku­la­tur sich strafft und bei der nächs­ten Atmung wie­der genü­gend Sauer­stoff ins Blut gelangt. Wo ist also das Pro­blem? „Wenn das in der Nacht regel­mä­ßig pas­siert, kommt das Kind nicht mehr in die Tief­schlaf­pha­se, die für die Ent­wick­lung des Gehirns ent­schei­dend ist“, erklärt Erler.

Ent­wick­lungs- und Wachstumsverzögerun­gen, nächt­li­ches Schwit­zen, Ein­näs­sen und Kopf­schmer­zen am Mor­gen kön­nen bei Kin­dern Fol­ge einer gestör­ten Atmung in der Nacht sein. Man­che Kin­der sind tags­über sehr müde, ande­re durch den gestör­ten Nacht­schlaf erst recht auf­ge­dreht und hib­be­lig. Um sich Klar­heit zu ver­schaf­fen, soll­ten Eltern den Kin­der­arzt kon­sul­tie­ren, der gege­be­nen­falls eine Unter­su­chung im Schlaf­la­bor verordnet.

Dort ver­bringt das Kind meist zwei Näch­te. Die ers­te Nacht ist so unge­wohnt für das kom­plett ver­ka­bel­te Kind, dass es nicht ent­spannt genug schläft, um zuver­läs­si­ge Mess­ergeb­nis­se zu erhal­ten. „Wir neh­men auch die Eltern mit auf, damit sich das Kind sicher fühlt“, sagt Erler. Im Schlaf­la­bor wer­den die Herz- und Atem­fre­quenz, der Sauer­stoff­ge­halt im Blut sowie die Hirn­ak­ti­vi­tä­ten beim Schla­fen gemes­sen und pro­to­kol­liert. „An den Ergeb­nis­sen lässt sich able­sen, wie aus­ge­prägt das Schnar­chen bezie­hungs­wei­se die Atem­aus­set­zer sind und ob das Kind über­haupt noch Tief­schlaf­pha­sen erreicht.“

Ist das nicht der Fall, kann die Ent­fer­nung von Rachen­man­deln oder Poly­pen hel­fen. Man­che Kin­der müs­sen mit einer Sauer­stoff­mas­ke schla­fen. Das ist aber extrem sel­ten. Rund sie­ben Pro­zent aller Kin­der schnar­chen und nur zwei Pro­zent aller Zwei- bis Fünf­jäh­ri­gen lei­den unter einer Schlaf­apnoe. Erler sieht die Unter­su­chun­gen im Schlaf­la­bor als Rie­sen-Fort­schritt an: „Frü­her haben Ärz­te die Men­schen immer nur im Wach­zu­stand unter­sucht, obwohl wir rund ein Drit­tel unse­res Lebens schla­fend ver­brin­gen. Dank moderns­ter Tech­nik kön­nen wir heu­te gute Unter­su­chungs- und Behand­lungs­mög­lich­kei­ten anbie­ten.“ (Maren Herbst)