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Foto: Sebastian Geyer

„Wir hel­fen Fami­li­en“ – der Kinderzuschlag

Kin­der­geld trägt in Deutsch­land Monat für Monat zur finan­zi­el­len Ent­las­tung der Fami­li­en bei. Vie­le die­ser Fami­li­en wis­sen nicht, dass sie auch auf den Kin­der­zu­schlag, sozu­sa­gen den klei­nen Bru­der des Kin­der­gel­des, einen Anspruch haben kön­nen. Um mehr über die­se Leis­tung zu erfah­ren, sind wir ver­ab­re­det mit Herrn Mate­r­na von der Fami­li­en­kas­se Berlin-Brandenburg.

Hal­lo Herr Mate­r­na, vie­len Dank, dass Sie sich heu­te Zeit für uns genom­men haben. Als Bereich­sei­ter des Teams „Kin­der­zu­schlag“ in der Fami­li­en­kas­se Ber­lin-Bran­den­burg ste­hen Sie im täg­li­chen Aus­tausch mit Ihren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die die Fami­li­en rund um das The­ma Kin­der­zu­schlag bera­ten und deren Anträ­ge bear­bei­ten. War­um ist es Ihnen so ein wich­ti­ges Anlie­gen, Infor­ma­tio­nen über die­se Leis­tung in die brei­te Öffent­lich­keit zu bringen?

Unse­ren Slo­gan „Wir hel­fen Fami­li­en“ möch­ten wir nicht nur auf Bro­schü­ren dru­cken, son­dern auch wirk­lich sehr viel dafür tun, dass Fami­li­en die­se Hil­fe spü­ren. Von Eltern, die zu uns kom­men, hören wir ganz oft, dass der Kin­der­zu­schlag schlicht­weg nicht bekannt ist. Und das berich­ten die­se Fami­li­en eben auch aus ihren Ver­wand­ten- und Bekann­ten­krei­sen. Das muss sich ändern! Dar­um nut­zen wir auch ger­ne die­se Mög­lich­keit. Dan­ke hierfür!

Kön­nen Sie uns den Unter­schied zwi­schen Kin­der­geld und Kin­der­zu­schlag erklären?

Um es ganz platt und damit auch unbü­ro­kra­tisch aus­zu­drü­cken: sobald das Kind da ist, bekommt man Kin­der­geld. Ok, man muss noch einen Antrag stel­len. Mehr Bedin­gun­gen hän­gen an die­ser Leis­tung, zumin­dest bis zum 18. Lebens­jahr des Kin­des, nicht.

Anders beim Kin­der­zu­schlag. Hier zah­len wir eine Sozi­al­leis­tung aus. Wie alle ande­ren Leis­tun­gen die­ser Art, zielt der Kin­der­zu­schlag dar­auf ab, eine schwie­ri­ge Lebens­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Das Ein­kom­men der Eltern reicht nicht, um auch das Kind oder die Kin­der zu ver­sor­gen. Die Ziel­grup­pe sind also Fami­li­en, deren Ein­kom­men nicht aus­reicht, um die gesetz­li­chen Min­dest­be­dar­fe zu sichern.

Also bekommt den Kin­der­zu­schlag jeder, der ent­we­der kein Ein­kom­men oder wenig Ein­kom­men hat?

Nein. Zunächst muss für das Kind Kin­der­geld aus­ge­zahlt wer­den. Dann geht es dar­um, dass die Eltern, egal ob allein­er­zie­hend oder ver­part­nert, die ja häu­fig schon Voll­zeit arbei­ten gehen, nicht sofort einen Antrag beim Job­cen­ter stel­len müs­sen. Amts­deutsch sagt man, die Hil­fe­be­dürf­tig­keit soll ver­mie­den wer­den. Wir schau­en uns jeden Antrag gewis­sen­haft an und prü­fen ihn im Sin­ne der Fami­li­en. Anders als beim Kin­der­geld, brau­chen wir dazu eini­ge Anga­ben, wie Ein­kom­mens­nach­wei­se der Eltern und der Kin­der (z.B. Unter­halt) sowie Kos­ten­nach­wei­se für Unter­kunft, Hei­zung, Ver­si­che­run­gen und Ähnliches.

Wenn das Ein­kom­men bei Allein­er­zie­hen­den unter 600 Euro und bei Paar­fa­mi­li­en unter 900 Euro monat­lich liegt, dann besteht kein Anspruch auf Kin­der­zu­schlag. Hier wen­det sich die Fami­lie an das zustän­di­ge Jobcenter. 

Und wie hoch ist der Kinderzuschlag?

Seit Anfang des Jah­res wer­den bis maxi­mal 209 Euro pro Kind und Monat aus­ge­zahlt. Wenn „aus­rei­chend“ Ein­kom­men bei den Eltern oder den Kin­dern vor­han­den ist, dann ver­rin­gert sich der Betrag.

Wenn der Kin­der­zu­schlag sich auf­grund des Ein­kom­mens redu­ziert und eine Fami­lie bei­spiels­wei­se nur Anspruch auf 5 Euro pro Monat hat, lohnt sich doch aber der Auf­wand für die Antrag­stel­lung gar nicht, oder?

Doch, unbe­dingt! Geknüpft an den Erhalt von Kin­der­zu­schlag ist der Zugang zum soge­nann­ten Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket. Die Fami­li­en kön­nen unter ande­rem Zuschüs­se zu Schul­aus­flü­gen, Schul­aus­stat­tung und Nach­hil­fe­un­ter­richt bean­tra­gen. Der Zuschuss für die Schul­aus­stat­tung zum Bei­spiel beträgt 156 Euro pro Schul­jahr. Es gibt auch Unter­stüt­zung bei der Teil­nah­me an sozia­len und kul­tu­rel­len Akti­vi­tä­ten. Die Mit­glied­schaft in einem Sport­ver­ein wird bei­spiels­wei­se monat­lich mit 15 Euro unterstützt.

Kann man sich vor der Antrag­stel­lung bera­ten lassen?

Wir geben uns viel Mühe, alle Infor­ma­tio­nen so ver­ständ­lich wie mög­lich online zur Ver­fü­gung zu stel­len. Unter ande­rem haben wir einen Chat­bot ent­wi­ckelt. Die­se auto­ma­ti­sier­te Hilfs­funk­ti­on ken­nen die meis­ten wahr­schein­lich von gro­ßen Online­händ­lern. So in etwa kann man sich das vor­stel­len. Der digi­ta­le Assis­tent beant­wor­tet die ers­ten Fra­gen und lei­tet direkt zu Anträ­gen und Merk­blät­tern wei­ter. Der Vor­teil ist, Sie wer­den mit Ihrem Anlie­gen „abge­holt“ und müs­sen nicht frei suchen. Unse­re Inter­net­adres­se lau­tet „Familienkasse.de“ und direkt zum Kin­der­zu­schlag geht es via „Kinderzuschlag.de“.

Übri­gens fin­den Fami­li­en hier auch einen „KiZ-Lot­sen“, der sie in vier kur­zen Video­se­quen­zen durch das gan­ze Behör­den­di­ckicht lotst. Durch die Ein­ga­be weni­ger Anga­ben zu den Kin­dern, der Höhe des Ein­kom­mens und der Wohn­kos­ten erfährt man hier sofort, ob mög­li­cher­wei­se ein Anspruch auf Kin­der­zu­schlag besteht oder nicht und wie es nun weitergeht.

Der KiZ-Lot­se soll vor allem eins, näm­lich den Fami­li­en unnö­ti­ge Anträ­ge und damit viel Zeit­auf­wand erspa­ren. Ob sich ein Antrag lohnt oder nicht, kann jeder auf die­sem ein­fa­chen Weg in nicht ein­mal fünf Minu­ten selbst checken.

Gut, jetzt weiß die Fami­lie, dass sie mög­li­cher­wei­se einen Anspruch hat. Aber der Antrag ist doch sicher­lich kom­pli­ziert und umfang­reich. Kann der Antrag­stel­ler bei der Fami­li­en­kas­se vor­bei­ge­hen und sich beim Aus­fül­len des Antra­ges hel­fen lassen?

Viel bes­ser! Wir bie­ten seit nun bald zwei Jah­ren Videobe­ratun­gen an. Dazu ein­fach online schau­en, wel­cher Ter­min passt und buchen. Man braucht im Mini­mum ein Smart­phone und schon geht’s los. Wir bekom­men aus­schließ­lich posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen. Die Fami­li­en sind hier voll­kom­men fle­xi­bel und müs­sen sich, gera­de in der aktu­el­len Lage, in kei­ner War­te­schlan­ge anstellen.

Wie erfährt die Fami­lie von der Ent­schei­dung der Familienkasse?

Hier sind wir (und blei­ben auch erst­mal) eine Behör­de. Es gibt ganz klas­sisch einen schrift­li­chen Bescheid. Und da wir vor­hin auch schon dar­über gespro­chen haben, den für die Bean­tra­gung von Leis­tun­gen aus dem Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket wich­ti­gen Nach­weis fügen wir natür­lich gleich bei.

Vie­len Dank für das Inter­view! Wir fan­den es sehr infor­ma­tiv und den­ken, damit unse­ren Leser*innen nütz­li­che Infos geben zu können.

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