Das Familienmagazin für Potsdam und Umgebung

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Foto: Studio Romantic/AdobeStock

Kind­ge­recht über den Krieg sprechen

Der Krieg in der Ukrai­ne beun­ru­higt uns alle, Erwach­se­ne wie Kin­der. Vie­le Erwach­se­ne schau­en jetzt ver­mehrt Nach­rich­ten, doch auch Kin­der wol­len wis­sen, was los ist, denn an dem The­ma kom­men sie im All­tag kaum vor­bei. Infor­ma­ti­ons­quel­len sind meist wir Erwach­se­nen: Eltern, Lehrer*innen, Erzieher*innen etc. Doch für Schul­kin­der gibt es auch eige­ne Nach­rich­ten­for­ma­te, wie zum Bei­spiel „logo!“. Wir haben ein Inter­view mit der Lei­te­rin der ZDF-Kin­der­nach­rich­ten­sen­dung „logo!“, Con­stan­ze Knö­chel, geführt.

Con­stan­ze Knöchel
Foto: © ZDF/Torsten Silz

Wie spre­che ich als Erwachsene/r mit Kin­dern über den Krieg? Wor­auf soll­te man beson­ders ach­ten, was soll­te ver­mie­den werden?

Wich­tig ist, dass man als Eltern ehr­lich ist. Wenn ich mer­ke, dass mein Kind in die­sen Zei­ten ein gestei­ger­tes Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis hat und vie­le Fra­gen stellt, dann soll­te man das auch ernst neh­men. Wenn ein Kind sich aller­dings kei­ne Sor­gen macht und weni­ger Fra­gen hat, soll­te man das auch so akzep­tie­ren und muss nicht gestei­gert auf wei­te­re Inhal­te eingehen.

Was sind kind­ge­rech­te Nach­rich­ten über den Krieg? Was ist anders? 

Wir sind grund­sätz­lich der Mei­nung, dass es wich­tig ist, Kin­der zu infor­mie­ren. Sie haben ein Recht auf Infor­ma­ti­on, das steht auch in der Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen. Wir müs­sen dar­auf ach­ten, Nach­rich­ten kind­ge­recht auf­zu­ar­bei­ten. Und wir set­zen grund­sätz­lich kein Vor­wis­sen vor­aus, was bei den Erwach­se­nen­nach­rich­ten anders ist. Wir ver­schwei­gen nichts, aber dra­ma­ti­sie­ren auch nicht. Natür­lich erklä­ren wir ihnen, dass es einen Krieg gibt und dass der rus­si­sche Prä­si­dent ein ande­res Land mit sei­nen Sol­da­ten ange­grif­fen hat. Und dabei ster­ben auch Men­schen. Gleich­zei­tig ver­su­chen wir aber auch ein­zu­ord­nen, war­um es zum Bei­spiel unwahr­schein­lich ist, dass der Krieg nach Deutsch­land kommt. Außer­dem len­ken wir häu­fi­ger unse­ren Fokus auf kon­struk­ti­ve Inhal­te. Wie wird den Men­schen gehol­fen, was kann man selbst tun? Anders im Ver­gleich zu Erwach­se­nen­nach­rich­ten ist auch, dass wir sehr auf die Bild­aus­wahl ach­ten. Auf angst­ma­chen­de Bewegt­bil­der von Toten oder Ver­letz­ten ver­zich­ten wir.


Ab wel­chem Alter sind die logo!-Nachrichten geeignet?

logo! rich­tet sich an Kin­der im Alter von 8 bis 12 Jah­ren, aller­dings bekom­men wir oft Rück­mel­dun­gen, dass auch jün­ge­re Kin­der logo! schau­en. Hier ist es wich­tig, dass zum Bei­spiel Eltern oder älte­re Geschwis­ter mit­schau­en, um gege­be­nen­falls Fra­gen oder Sor­gen der Kin­der nach der Sen­dung ein­ord­nen zu können.

Soll­te man jün­ge­re Kin­der nicht lie­ber von den Nach­rich­ten fern­hal­ten, um sie zu schützen?

Ängst­li­ches Ver­schwei­gen von schlim­men Nach­rich­ten macht Kin­der even­tu­ell unsi­cher. Wenn man ihnen kind­ge­recht erklärt, was pas­siert, macht es sie dage­gen emo­tio­nal siche­rer. Aller­dings soll­te man als Eltern ein­schät­zen kön­nen, ab wel­chem Alter wel­che Infor­ma­tio­nen emo­tio­nal und auch intel­lek­tu­ell ver­kraft­bar sind.

Was kön­nen Kin­der selbst tun, wenn ihnen der Krieg Angst macht?

Zum Bei­spiel logo! schau­en, um Nach­rich­ten kind­ge­recht ein­ge­ord­net zu bekom­men. Man­chen Kin­dern hilft auch, selbst zu hel­fen. Aktio­nen für die Klas­se oder die Schu­le zu orga­ni­sie­ren. Oder auch mit Freun­din­nen oder Freun­den dar­über spre­chen. Ande­ren Kin­dern rät man viel­leicht, ein­fach mal den Fern­se­her oder das Han­dy aus­zu­las­sen und sich mit ande­ren schö­nen Sachen zu beschäftigen.

logo! hat gut auf­be­rei­te­te Online-Sei­ten, auch zum The­ma Ukrai­ne: www.zdf.de/kinder/logo
Die logo!-Nachrichtensendung läuft sams­tags bis don­ners­tags um 19.50 Uhr und frei­tags um 19.25 Uhr auf KiKa.


Nicht für alle Kin­der sind Nach­rich­ten als Infor­ma­ti­ons­quel­le geeig­net. Ins­be­son­de­re die Jüngs­ten im Kitaal­ter bekom­men zwar die Anspan­nung der Erwach­se­nen mit und hören auch das eine oder ande­re über die Situa­ti­on, doch hier soll­ten die Eltern die­je­ni­gen sein, die direkt auf die Fra­gen und Ängs­te der Kin­der ein­ge­hen und die das Maß an Infor­ma­tio­nen bestim­men. 5 Tipps, was man dabei beach­ten sollte:

Sach­lich blei­ben
Du brauchst dei­ne eige­ne Besorg­nis nicht ver­schwei­gen, aber du soll­test sie erklä­ren – und zwar ruhig und sach­lich. Wenn du dich von dei­nen Gefüh­len mit­rei­ßen lässt, kann das dein Kind in Angst ver­set­zen. Besprich dei­ne Ängs­te mit Partner*in oder Freund*innen.

Nicht pau­scha­li­sie­ren
Ver­mei­de Aus­sa­gen wie „Die Rus­sen haben den Krieg ange­fan­gen“. Vie­le rus­si­sche Men­schen hier und auf der gan­zen Welt ver­ur­tei­len die­sen Krieg. Viel­leicht hat dein Kind einen rus­sisch­stäm­mi­gen Freund in der Kita, vor dem es Angst bekommt oder den es dann ablehnt. Sol­che erwor­be­nen Vor­ur­tei­le kön­nen sich noch lan­ge hal­ten und irra­tio­na­le Ängs­te schaffen.

Gefüh­le ernst neh­men
Dein Kind soll­te unbe­dingt mit sei­nen Gefüh­len ernst genom­men wer­den. Statt Angst und Wut zu beschwich­ti­gen, fra­ge nach, was genau dein Kind wütend macht. Allein schon das Aus­drü­cken sei­tens des Kin­des und dein Zuhö­ren sind tröst­lich. Wich­tig ist hier­bei, offe­ne Fra­gen zu stel­len. Zum Bei­spiel: „Was macht dir denn Angst?“

Alters­ge­recht erklä­ren
Wie fühlt sich dein Kind und was kann es schon ver­ste­hen? Du kennst dein Kind am bes­ten und soll­test dei­ne Erklä­run­gen ent­spre­chend anpas­sen. Um das für die­se Situa­ti­on noch genau­er her­aus­zu­fin­den, kannst du vor­sich­tig Fra­gen stel­len. Mög­lichst nicht von dir aus Din­ge erzäh­len und erklä­ren, die für dein Kind viel­leicht im Moment noch zu viel sind oder die es gar nicht beschäf­ti­gen. Den Kon­flikt am bes­ten ange­lehnt an ein kon­kre­tes Bei­spiel aus dem All­tag bespre­chen – „ Da ist einer, der will alles bestimmen …“

Sicher­heit ver­mit­teln
Kin­der im Kitaal­ter kön­nen Fan­ta­sie und Rea­li­tät nicht immer gut unter­schei­den. Manch­mal ent­wi­ckeln sie die Angst, dass ihnen oder euch Eltern etwas ähn­lich Schreck­li­ches pas­sie­ren könn­te. Ver­mitt­le dei­nem Kind, dass du es schützt und es bei dir sicher ist. Aber auch, dass den Men­schen in der Ukrai­ne gehol­fen wird und wir auch hier hel­fen kön­nen. Viel­leicht sam­melt ihr etwas für die Geflüch­te­ten und seid ein wenig aktiv. Sich hand­lungs­fä­hig zu füh­len, hilft nicht nur den Kin­dern! Und zei­ge immer wie­der einen posi­ti­ven Zukunfts­aus­blick auf!

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