Wir haben mit Kevin Matiszent, Bildungsreferent in der Medienwerkstatt Potsdam im fjs e.V., über die Entwicklung der Medienkompetenz, das erste Smartphone und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist und über die verschiedenen Angebote für Eltern und Fachkräfte gesprochen.
Welche Frage stellen Eltern am häufigsten, wenn sie sich zum Thema Smartphone informieren?
Die häufigste Frage ist „Wann ist mein Kind bereit, das erste Smartphone zu bekommen?“ oder „Woran erkenne ich es, dass es okay ist, dass mein Kind jetzt ein Smartphone bekommt?“ Das sind die Standardfragen.
Und was ist Ihre „Standardantwort“ dazu?
Also meine Antwort dazu ist: Nicht das Alter ist ausschlaggebend, sondern der Entwicklungsstand des Kindes. Hat das Kind das Smartphone verstanden? Weiß es, was Werbung ist? Weiß mein Kind, wenn es einen Influencer oder ein YouTube-Video anschaut, was davon Werbung ist? Hat das Kind schon mitbekommen, dass man Apps auf dem Smartphone einstellen kann? Oder auch Snapchat, TikTok, Instagram und WhatsApp? Kennt es „soziale“ Grenzen – gute Geheimnisse und schlechte Geheimnisse? Hat es eine eigene Stopp-Grenze und kann sagen „Nein, das will ich jetzt nicht mehr, das macht mir ein komisches Gefühl?“ Und weiß es dann auch, wo es hingehen kann, wenn es mit solchen Inhalten auf dem Smartphone konfrontiert wird?
Wie kann man sein Kind auf diese Themen vorbereiten?
Da empfehle ich einen Mediennutzungsvertrag. Auf der Seite mediennutzungsvertrag.de gibt es ein Tool, mit dem man mit dem Kind zusammen einen gemeinsamen Mediennutzungsvertrag aufstellen kann. Da geht es um Regeln für die allgemeine tägliche Mediennutzung. Die erste Regel ist sogar eine für Eltern: „Ich informiere mich regelmäßig über die Angebote, die mein Kind nutzt.“ Und: „Wir sprechen über unsere Medienerfahrung“. Dort findet man als Eltern noch weitere Tipps dazu, was man mit einem Kind besprechen sollte. Dass es zum Beispiel wissen sollte, wie man online kommuniziert, dass ebenfalls nicht beschimpft oder beleidigt werden darf, wie in der realen Welt. Was man da ja so manchmal in den Kommentaren liest …
Für die Einstellungen am Smartphone gibt es die Seite medien-kindersicher.de. Dort bekommt man eine – an Erwachsene gerichtete – Erklärung, wie man das Smartphone kindersicher einstellt. Und ich finde dabei wichtig, das Einstellen mit dem Kind zusammen zu machen und auch hier immer wieder im Austausch mit dem Kind zu stehen und zu erklären: „Warum möchte ich, dass du digital nicht komplett frei unterwegs bist?“
Manche Schulen bieten einen Smartphone-Führerschein an …
Ja, aber das ist eher noch die Ausnahme. Aber es wird präsenter und immer mehr Schulen kümmern sich darum, über das Thema zu sprechen. Aber das ist noch nicht die Regel.
Online gibt es auch einen Surfschein auf internet-abc.de. Das ist eine komplett vertonte Multiple-Choice-Quizabfrage in zwei Varianten, die schön gestaltet ist. So ab 6 Jahren kann man das schon machen. Wenn man das als Elternteil schon einmal vorher durchspielt, weiß man auch, worüber man mit seinem Kind sprechen kann in Bezug auf die Nutzung digitaler Medien.
Was wird für Eltern angeboten – Elternabende zum Beispiel?
Das ist hier in der Medienwerkstatt etwas anders. Hier gibt es vorher immer Programme für die Schüler:innen und die Elternabende sind an das Programm gekoppelt – bis dahin, dass die Schüler:innen selbst den Elternabend gestalten. Das ist der nächste Schritt der Elternarbeit: Wir machen etwas mit den Kids und daraus entsteht eine Infoveranstaltung für die Eltern. So haben wir in der Medienwerkstatt eine gute Beteiligung von Eltern und Lehrer:innen erreicht und so werden auch die Schüler:innen zu Multiplikator:innen. Ein weiteres Angebot ist der Eltern-Medientag, der zum neunten Mal am 10. November im Treffpunkt Freizeit stattfinden wird. Hier können Eltern und Kinder gemeinsam Neues entdecken rund um die Themen Medien in der Familie, Gaming, KI, Making und Coding uvm.
Was bietet die Medienwerkstatt für pädagogische Fachkräfte an?
Da haben wir Fortbildungen zum Thema Grundlagen der Medienpädagogik oder zum Thema Foto und Film, in den Räumen der Medienwerkstatt, in einer Gruppe von maximal 12 Personen. Coaching für Kitas, Hort- und Jugendeinrichtungen und Beratungsangebote sowie Netzwerkarbeit untereinander bieten wir auch an. Regelmäßig trifft sich zum Beispiel das Netzwerk Medienbildung Potsdam. Unser Video- und Streaming-Studio kann auch gern von kleinen Gruppen genutzt werden.
Gibt es auch spezielle Themen aus dem Kita-Bereich?
In der Kita hat das Tablet ja eine ganz andere Aufgabe als vielleicht beim Konsum zuhause. Hier soll mehr erschaffen werden, um auch ein ganz anderes Bild vom Gerät zu schaffen und dafür zu sorgen, dass es wie ein Werkzeug gehandhabt wird. Zum Beispiel mit Stopp-Motion-Filmen: Hier wird geplant und gebastelt – die eigentliche Aktion passiert dann vor der Kamera – und zwei bis drei Kinder müssen hochkommunikativ miteinander sprechen. Oder sie vertonen mit der Audio-Adventure-App ein eigenes Hörbuch. Da kann man sich zum Beispiel auf den Zoobesuch am Tag vorher beziehen, eine Geschichte darüber erzählen, was man dort gemacht hat, und die Tiere vertonen. Es geht immer ums kreativ werden und Nutzen des Tablets dafür. Oder beim Bee-Bot ums Programmieren lernen.
Was findest du sonst noch wichtig für Eltern bei diesem Thema?
Was mir noch ganz wichtig ist – das Thema „Angst davor, etwas zu verpassen“ gar nicht erst groß werden zu lassen. Das nennt sich heute „Fear of missing out“ (FOMO). Da sind die Eltern auch wieder als Vorbilder gefragt, indem sie zeigen, dass es nicht normal ist, dass das Smartphone 24/7 am Körper klebt. Eine feste Ladestation ist gut, eine Schlafbox für das Telefon und das Kind nicht alleine zu lassen, wenn es nicht gut von selbst aufhören kann. Nicht einfach zu sagen „Du hörst jetzt auf“ und wegzugehen, sondern sich mit dem Kind auseinanderzusetzen – das ist die Aufgabe der Eltern.
Medienpädagogische Angebote für Eltern
Medienpädagogische Angebote für Fachkräfte
Ein weiteres spannendes Interview haben wir mit Dr. Sophie Reimers, Referentin für den Jugendmedienschutz bei der Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V. (AKJS) geführt. Dieses Interview findet ihr hier: www.potskids.de/themenbeitrage/akjs-interview-sophie-reimers
Im Gespräch mit Bettina Lange und Carolin Grizfeld von der Kammerakademie Potsdam.
Carolin Grizfeld ist Musikvermittlerin der Kammerakademie Potsdam (KAP) und betreut zusammen mit ihrer Kollegin Katrin Thomaneck alle Kinder- und Jungendveranstaltungen der KAP. Bettina Lange ist Flötistin der Kammerakademie und gemeinsam mit Matthias Leupold (Violine) im Musikvermittlungsgremium des Orchesters. Wir haben mit Carolin und Bettina über Angebote der Musikvermittlung der Kammerakademie für Kinder und Familien gesprochen.
Die Kammerakademie ist ja im Bereich Hörvermittlung für Kinder und Jugendliche in Potsdam sehr aktiv. Warum klassische Musik für Kinder?
Bettina: Kinder unterscheiden ja nicht von sich aus zwischen klassischer Musik und anderen Musikrichtungen. Für sie ist Musik einfach Geräusche und Klang. In unseren Angeboten geht es ums Hören und um Wahrnehmung. Und da wir ein Orchester sind, ist unsere Profession die klassische Musik. Natürlich nicht nur, aber für uns ist das der Ausgangspunkt.
Carolin: Ja, vor allem jüngere Kinder im Kindergartenalter unterscheiden da gar nicht – es geht vielmehr um das, was dahintersteht – Spielfreude, Bewegung, Emotionen … und nicht „klassisch“ oder „modern“.
Was ist denn eigentlich klassische Musik?
Carolin: Man kann ganz theoretisch sagen: Klassik ist eine musikalische Zeitperiode und die Musikinstrumente, die die Kammerakademie spielt, sind klassische Orchesterinstrumente. Ein großer Teil unseres Programms beinhaltet klassische Musik.
Bettina: … ob wir zeitgenössische, romantische oder barocke Stücke spielen, ist erst mal zweitrangig, wichtig ist die Konzeption der Programme, zugeschnitten auf die Wahrnehmungsbedürfnisse der Kinder.
Vor fast 20 Jahren haben wir mit unserem Kind „Das Pferd auf der Geige“ besucht …
Bettina: … ja, das Pferd auf der Geige. Das war eines unserer ersten Projekte. Viele der KAP-Gründungsmitglieder hatten zu dieser Zeit jüngere Kinder und wir stellten fest, dass es nur wenige Angebote für Kinder gab. Wir wollten diese direkte Ansprache der Kinder – Musik und Instrumente erfahrbar machen. Daraus entwickelte sich unser Musikvermittlungsbereich.
Carolin: Für manche Kinder sind unsere Angebote die erste Möglichkeit, ein Orchesterinstrument auch mal von Nahem zu sehen. Deshalb gehen wir mittlerweile auch zu ihnen hin. Wir verstehen das als unseren Bei - und Auftrag für mehr gesellschaftliche Chancengleichheit.
Bettina: Wir schauen mit der Kammerakademie auf 25 Jahre Erfahrung zurück. Es geht uns unter anderem um die Vielseitigkeit in der Musik. Was ist unser Tenor in der Gesellschaft, was können wir dazu beitragen? Was können wir in verschiedenen Generationen anstoßen – Musikvermittlung bedeutet ja nicht, Kindern zu sagen, wie und welche Musik sie hören sollen, wie Musik funktioniert oder was richtig ist – es ist immer ein Miteinander.
Du hast den Aspekt „Vielseitigkeit“ genannt, worum geht es euch dabei?
Bettina: Wir sind als Orchester unabhängig und entscheiden, was wir spielen und wofür wir uns einsetzen. Die Vielseitigkeit kommt auch daher, dass wir diesen ganz großen Spielraum haben. Wir spielen nicht nur Konzerte, sondern sind sehr aktiv in der Musikvermittlung in Potsdam unterwegs. Wir wollen Kinder und Jugendliche für Musik begeistern. Und zwar unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Vielseitigkeit kommt auch durch die Persönlichkeiten in unserem Orchester – jeder und jede bringt sich hier auf eigene Art ein. Wir kommen direkt vom Musikmachen. Wir bringen unsere Profession mit, unsere Instrumente, unsere Begeisterung und uns als Personen.
Welche Angebote habt ihr für Kinder und Jugendliche?
Carolin: Wir beginnen im frühen Kindergartenalter, Kitas können sich an uns wenden und ein Paket buchen. Dann kommen Musiker:innen von uns in die Kita und bringen ein musikalisches Thema und Instrumente mit und arbeiten dann mit den Kindern vor Ort, manchmal auch über Monate hinweg. Die Kita kann auch selbst Themen vorschlagen, wir hatten schon „Jahreszeiten“ oder „Peter und der Wolf“ …
Bettina: … wir können aber auch Vorschläge mitbringen. Meine Erfahrung mit Kitas ist, dass dort manchmal die Schwerpunkte ganz unterschiedlich liegen und wir zunächst darüber sprechen, welchen Bedarf es gibt. In der einen Kita gibt es vielleicht einen Bedarf an „Aufmerksamkeit und Zuhören lernen“, in einer anderen an „Gefühle wahrnehmen und Empfindungen zulassen“. Oder das Thema Sprachentwicklung, Sprachverzögerung – auch das kann man mit Musik unterstützen. Sonderpädagog:innen aus der Kita haben uns oft zurückgemeldet, dass mit dem genauen Hinhören und den Wahrnehmungsübungen unsere Besuche dort ebenfalls Effekte für die Kinder hatten.
Was ist für euch besonders in Kitas?
Bettina: Das Schöne bei der Arbeit mit Kita-Kindern ist: man bekommt immer eine direkte Reaktion. Anders als in Konzerten mit Älteren, wo alle still zuhören und an der richtigen Stelle klatschen, bekommt man bei kleinen Kindern die Reaktion unmittelbar. Wie sind ihre Reaktionen auf die Musik, ihre Aufmerksamkeit? Manche Kinder machen begeistert mit, aber es gibt auch welche, die wollen einfach nur zuhören.
Carolin: Gerade mit den Kleinsten macht es unheimlichen Spaß, gemeinsam auf Entdeckungstour zu gehen und zu erfahren, was man alles in und durch Musik erleben kann.
Bettina: Die Vermittlung funktioniert weniger über Begriffe, aber man kann die Emotionen musikalisch wahrnehmen, wenn man fragt: Was löst die Musik bei mir aus?
Carolin: Wir fangen auch deswegen so früh an, damit das Gehör „offen“ bleibt für interessante Klänge, um dafür sensibel zu bleiben.
Bringt ihr Instrumente für die Kinder mit?
Carolin: Das kommt auf denjenigen an, der hingeht. Meistens haben Kitas auch eine kleinere Ausstattung mit Orff-Instrumenten da. Wenn wir längere Projekte haben, ist es sinnvoll, sich als Kita ein Repertoire anzuschaffen.
Bettina: Die Kinder können ja auch mit ihrem Körper Musik machen. Oder wir bauen Instrumente, auch das haben wir schon gemacht. Aber oft geht es auch darum, dass wir mit unseren Orchesterinstrumenten vor Ort und erlebbar sind.
Ein weiteres Projekt von euch, das wir ja auch regelmäßig in PotsKids! vorstellen, ist KAPellina …
Carolin: Ja, KAPellina ist eine Reihe, die drei Mal in der Saison stattfindet – in Potsdam Drewitz in der Grundschule am Priesterweg. Die Reihe ist mit der Zeit zu einer richtigen Musiktheaterproduktion geworden. KAPellina ist ein Cello, das als Figur pantomimisch und spielerisch durch das Konzert führt.
Das Konzert ist ein Mix aus kurzweiligen klassischen Stücken, aber auch ganz vielen Bewegungsaktionen, viel Mitmachen und einer Bastelaktion. Die Reihe ist für Familien mit Kindern von 3 bis 6 Jahren konzipiert und in dieser Saison dreht sich alles um das Thema „KAPellinas Welt“. Im letzten Konzert haben wir uns KAPellinas Familie angeschaut und eine große Familienparty gefeiert. Diese Konzertreihe ist während der Woche für Kitas und die Grundschule am Priesterweg geöffnet, in der die Konzerte stattfinden, und am Wochenende dann für alle.
Bettina: Zu den KAPellina-Aufführungen gehen wir regelmäßig in die Kitas, die sich langfristig dafür entscheiden und die wir im Vorfeld besuchen und mit ihnen arbeiten, sie haben sozusagen ein richtiges Konzertabo. Die Kitas werden auch von uns vorbereitet – sie bekommen ein Paket, da sind dann schon eins, zwei Lieder drin – das KAPellina-Lied zum Beispiel.
Carolin: Es ist immer schön, wenn die Kinder eine Musiker:in dann wiedererkennen und sich darüber freuen – unsere Musiker:innen natürlich auch. Da merkt man, dass unsere Arbeit auch sehr auf der persönlichen Ebene funktioniert.
Und was kommt nach der Kita?
Bettina: Wir haben zum Beispiel die Familiensinfoniekonzerte im Nikolaisaal – ab 5 Jahren für Kita- und Schulkinder – oder unsere Kinderkonzerte für Schulen im Foyer.
Carolin: Die Familien-Sinfoniekonzerte werden immer durch eine KiKa-Moderatorin oder - Moderator durchgeführt, im Moment macht das Juri Tetzlaff, der auch das Baumhaus moderiert. Es wird eine Sinfonie gespielt und Juri führt durch das ganze Konzert.
Bettina: Wir gehen außerdem mit Klassenzimmerkonzerten in die Schulen, die bieten wir ganzjährig an, auch für ganz verschiedene Altersgruppen. Die Schulen können sich bei uns melden. Was das Thema sein soll, das besprechen wir mit der Schule und daraus entsteht ein Konzept.
Carolin: Wir versuchen durch die kleinen Projekte, die nahbar sind, so viele junge Menschen wie möglich für Musik zu begeistern.
Du hast gerade ein Stichwort gesagt, „nahbar“. Das ist für mich auch noch ein wichtiger Aspekt. Ich habe herausgehört, es geht bei der Musikvermittlung nicht nur um die Musik an sich, dann könnte man ja auch eine CD einlegen. Es geht euch insbesondere um das Persönliche, die Musik direkt zu hören, die Person spielen zu sehen, um die Kommunikation über die Musik und das Einbezogensein.
Bettina: Genau. Wir können nicht erwarten, dass alle Eltern die Möglichkeit haben, es ihren Kindern bieten zu können, zum Beispiel in ein Konzert zu gehen. Deshalb arbeiten wir in den Schulen und Kitas vor Ort. Eine der schönsten Erfahrungen in der Schule in Drewitz ist, wenn man sieht, wie Kinder, die wir vielleicht schon aus Kindergartenzeiten kennen, jetzt zum Beispiel in unserem Tandem-Projekt der Klassen 1 bis 6 wieder mit dabei sind – wie sie am Ball bleiben. Und manchmal auch, dass Kinder dort andere Verhaltensweisen an den Tag legen als im Schulalltag. Wir bieten hier Erfahrungsräume auch außerhalb der Kategorisierungen wie „Problemkinder“ und dergleichen. Es ist schon spannend, was man mit Musik schaffen kann!
Was bietet ihr noch konkret für Schulen an?
Carolin: In Drewitz arbeiten wir im Rahmen des Programms „Musik schafft Perspektive“ eng mit unserer Partnergrundschule zusammen. Dort findet regelmäßige Tandemarbeit statt, das bedeutet, dass ein:e Musiker:in über einen längeren Zeitraum zusammen mit einer Klasse musikalisch arbeitet und etwas für zum Beispiel die Stadtteiloper entwickelt. Das Wort „Oper“ ist ganz weit gefasst: es wird getanzt, gesungen, geschauspielert. Die Stadtteiloper läuft jedes Jahr in Kooperation mit der Schule am Priesterweg. Aber in Drewitz machen wir nicht nur Tandemarbeit: Von Klasse 1 bis 6 gibt es über das Jahr hinweg immer wieder musikalische Angebote, zugeschnitten auf die Altersgruppe. Unser Ziel mit diesem Programm ist es, dass klassische Musik zum Alltag der Kinder gehört und dort auch ihre Wirksamkeit entfalten kann. Wir möchten so unseren Teil für mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit leisten. Wir kommen zu den Kindern und nicht andersherum – damit gewährleisten wir, dass auch Kinder aus bildungsferneren Haushalten Zugang zu kultureller Bildung haben und mal ein Konzert erleben können. Besonders, wenn die Vermittlung langfristig stattfindet, wie in Drewitz, und so nachhaltig wirkt, kann sie natürlich eine ganz andere Wirkung entfalten als punktuell.
Bettina: Wir bieten auch Projekte für weiterführende Schulen für 10. bis 13. Klassen an, zum Beispiel „KAP of 21 Sounds“, das gehört zu KAPmodern, einer Veranstaltungsreihe mit zeitgenössischer Musik. Die Idee ist es, neben musikalischen Inhalten gesellschaftsrelevante Themen zu bearbeiten, um die jungen Erwachsenen zu motivieren, am großen Diskurs mitzuwirken und zu zeigen, dass man das auf vielen Ebenen der Gesellschaft kann. Oder sie besser gesagt zu animieren, durch Kunst beeinflusst ihren eigenen Kosmos vergrößern zu können. Ein Beispiel dafür ist „Schnee“, eine Veranstaltung, die wir zusammen mit Prof. Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut zum Thema „Klimaveränderung“ konzipiert hatten. Im Gespräch bleiben, sich austauschen, andere Blickwinkel zulassen – es gibt immer Schulen, die ein solches Angebot dann sofort buchen, weil es die Schüler:innen anspricht.
Carolin: Gerade laufen Workshops in einer Oberschule zur Vorbereitung auf die Potsdamer Winteroper. Mit anschließendem Probenbesuch ab Klasse 10, so dass die Schüler:innen, wenn sie die Oper besuchen, schon ganz anders hörend in den Probenbesuch reingehen, Szenen und Motive erkennen können. Sinfoniekonzerte können teilweise auch schon einen Tag vorher besucht werden. Dort hören die Schülerinnen und Schüler dann über Audioguide und erfahren zum Beispiel, wie so eine Probe abläuft, warum der Dirigent grade hier abbricht etc., aber auch Facts zur Sinfonie oder zu den Musiker:innen. So werden die Schülerinnen und Schüler durch die Probe geführt. Das Angebot nennt sich Ohrphon und wird vom Nikolaisaal angeboten.
Wie werden eure Projekt-Angebote angefragt?
Carolin: In den Kitas sind wir immer gut angefragt. Auch die Schulangebote laufen. Ich würde mir wünschen, dass die Samstagsvorstellungen von KAPellina in Drewitz von noch mehr Menschen von außerhalb von Drewitz besucht werden und wir dadurch einladen können, diesen Stadtteil kennenzulernen.
Bettina: Wir würden uns grundsätzlich freuen, wenn Menschen aus allen Stadtteilen den Weg in unsere Konzerte finden und sich auch Familien trauen, die sonst noch nicht in klassischen Konzerten waren.
Wir haben mit Sophie Reimers, Referentin für den Jugendmedienschutz beim Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V. (AKJS), über die verschiedenen Angebote für Eltern und Fachkräfte gesprochen. Das Interview ist Teil des Titelthemas „Der Weg zum ersten Handy“ aus der PotsKids!-Ausgabe März 2024.
Was ist Ihre Aufgabe im Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V.?
Den Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V. gibt es seit den 90er Jahren und ich bin die Referentin für den Jugendmedienschutz. Wir vermitteln Fachinformationen an pädagogische Fachkräfte, aber auch an Eltern. Unsere Grundlage ist der Kinder- und Jugendschutz. Wir bieten unter anderem die Weiterbildung „Eltern-Medien-Beratung“ an und schulen Fachkräfte. Aber auch eine Eltern-Medien-Beratung online für Eltern haben wir. Die AKJS arbeitet nicht direkt mit Kindern und Jugendlichen.
Wir haben zudem einen guten Überblick über Info-Materialien, die es zum Thema Medienerziehung gibt – Materialen, die sich an Kinder und Jugendliche richten, und Material für Eltern und Fachkräfte. Gerade haben wir mit „Check BäMMM“ ein Kartenset für Kinder herausgebracht – mit 30 informativen Karten zu Fragen von Kindern zum ersten Handy.

Wer kann sich an Sie wenden?
Alle Einrichtungen für Kinder und Familien in ganz Brandenburg können bei uns für eine Elternveranstaltung anfragen und dann vermitteln wir ihnen aus ihrem Landkreis Referent:innen. Die kommen dann in Kita, Schule oder Hort zu einem zuvor gemeinsam abgesprochenen Medienthema. Das kann in Präsenz, aber auch online stattfinden.
Und ab welchem Alter der Kinder können Eltern bzw. Erzieher:innen sich an Sie wenden?
Wir möchten Eltern und Fachkräfte so früh wie möglich erreichen. In der Kita zum Beispiel scheint die Handy- und Mediennutzung als Thema oft ausgeklammert und bleibt so als Thema zwischen Erzieher:innen und Eltern außen vor. Dabei spielt es natürlich eine große Rolle, was zum Beispiel die Kita an eigener Haltung mitbringt. Wird in der Kita schon mit digitalen Medien gearbeitet oder hängt im Eingangsbereich vielleicht sogar ein Verbotsschild „Keine Handynutzung“? So etwas sendet eventuell schon eine bestimmte Message an die Eltern, die interpretiert wird als „Die Erzieher:innen sind zu dem Thema gar nicht ansprechbar“. Und dann trauen Eltern sich möglicherweise nicht, diese mit ihren Fragen oder Problemen anzusprechen.
Wir versuchen, dass die Kitas sich dem Thema öffnen, was gar nicht heißt, sich viele Geräte anzuschaffen, sondern sich vielleicht auf kreative Weise dem Thema zu nähern. So kann man auch leichter ins Gespräch kommen. Manchmal ist es besser, den Eltern positive Alternativen anzubieten, als mit dem Zeigefinger das Verhalten zu bewerten. Und die Studien zeigen, das Kita-Alter ist das Alter, in dem die Kinder ihre ersten Erfahrungen mit den digitalen Medien machen.
Welche Fragen kommen von den Eltern?
Eltern wollen gerne eine ganz klare Orientierung haben: „Ab welchem Alter und wieviel?“ und „Ist es schlimm, wenn die Zeiten überschritten werden?“ Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil vieles individuell ist und auch von der Familiensituation abhängt.
Dann gibt es viele Sicherheitsfragen – zum Beispiel bei einem weiten Schulweg: Hier wird das Handy auch als Sicherheit gesehen. Es gibt Fragen zu Tools zum Tracken der Kinder – die bieten eine gewisse Gefahr von Überwachung, können aber auch für Kinder einen größeren Bewegungsfreiraum schaffen – das gilt es abzuwägen. Wichtig ist hier immer, mit den Kindern darüber ganz transparent zu sprechen und auch die Regeln zum Umgang mit digitalen Medien zu besprechen.
Und was ist mit dem Alter vor der Kita?
Im frühkindlichen Bereich ist das Thema eigentlich immer eher das eigene Nutzungsverhalten der Eltern – diese setzen ja den Rahmen. Was stellen sich die Eltern für ihren gemeinsamen Familienalltag vor? Es gibt natürlich immer mehr öffentliche Diskurse zum Thema Medienerziehung. Doch häufig bewegen diese sich zwischen zwei Extremen: Auf der einen Seite ganz alarmistisch: „Unsere Kinder verblöden alle“ und auf der anderen Seite die Aussage „Das müssen die ja sowieso lernen“, um damit vielleicht eine Laissez-faire-Haltung zu rechtfertigen.
Wenn man sich die Zahlen anschaut, wie das Medienverhalten in den Familien so gehandhabt wird, dann ist es eine gewisse Realität, dass digitale Medien einfach dazugehören und da nützt es nichts, den Eltern ein schlechtes Gewissen einzureden, sondern eher zu versuchen, ihnen etwas an die Hand zu geben. Manchmal mit ganz konkreten Tipps, zum Beispiel beim Essen einzuführen, dass alle das Handy weglegen. Oder gemeinsame Zeiten zu definieren ohne Handy – als bildschirmfreie Familienzeit, die für alle gilt.
Also sie befürworten den frühen Umgang mit Medien für Kinder?
Wir vertreten die Meinung, je medienkompetenter ein Kind ist, je mehr es auch kritisch Medien nutzen kann, desto besser ist es geschützt. Wenn Kinder von reinen Konsumenten eher zu kreativen Produzenten werden, dann wissen sie auch mehr, zum Beispiel „Was steckt eigentlich hinter den Anwendungen?“, und können das auch für sich in Chancen umwandeln. Daher müssen Medienangebote von Eltern und Erzieher:innen in frühen Jahren eng begleitet werden.
Natürlich gibt es problematische Mediennutzung – wir waren im Austausch mit den SPZs (Sozialpädiatrischen Zentren) in Brandenburg – da gibt es schon gewisse Warnsignale, dass Kinder, die schon im sehr frühen Kindesalter viel mit Bildschirmnutzung beschäftigt sind, zum Teil Symptome entwickeln, die an Autismus erinnern. Aber das ist empirisch bisher nicht mit Studien hinterlegt. Und man kann noch gar nicht abschätzen, was an zusätzlichen Faktoren hinzukommt, was diesen Kindern zum Beispiel an Beziehungsangeboten fehlt. Häufig findet sich eine stark erhöhte Mediennutzung ja auch im Zusammenhang mit einer vielfältigen Problemlage. Gerade in den ersten drei Jahren ist ja das Beziehungsangebot besonders wichtig.
Wie erreichen Sie Eltern, die nicht so internetaffin sind und sich nicht dort selbstständig informieren können oder möchten?
Ja, da gibt es großen Bedarf. Wir bieten eine Fortbildung für Fachkräfte an – also auch für Kita-Erzieher:innen vor Ort – die dann direkt mit allen Eltern in Kontakt stehen und treten können. Sie können dann bei Bedarf zum Beispiel Elternabende in der eigenen Kita anbieten.
In den Präsenz-Veranstaltungen trauen sich die Eltern oft mehr, zum Beispiel im Anschluss in einem persönlichen Gespräch noch ihre eigenen konkreten Fragen zu stellen. Und der Austausch unter den Eltern ist größer. Vielen Eltern hilft die Erkenntnis, dass eigentlich alle vor einer Herausforderung bei diesen Themen stehen und die wenigsten schon den goldenen Weg gefunden haben. Manche Eltern haben schon das eine oder andere ausprobiert, was gut funktioniert, oder bestimmte Fehler sind schon passiert und man kann sich so auch gegenseitig beraten. Die Informationen, die Eltern bekommen, sind ja das eine, aber die tägliche Umsetzung ist oftmals die große Herausforderung. Woran es dann manchmal im Alltag scheitert, sind ganz praktische Fragen oder auch mal die eigene Überlastung.
Fachkräfte können bei uns auch Material erhalten – es muss ja auch nicht immer der Elternabend sein. Schon Material vor Ort zu haben, zeigt eine Bereitschaft zu diesem Thema. Darauf aufbauend kann man ja auch mal ein Elterncafé zum Austausch miteinander anbieten. Oft sind es auch Tür-und-Angel-Gespräche, die ja sehr niedrigschwellig sind, die ebenfalls Fragen der Eltern beantworten können.
Welches Thema ist Ihnen sonst noch wichtig?
Da gibt es zum Beispiel das Thema „Kinderfotos im Netz“. Welche Fotos kann ich ins Netz stellen oder auch an die Großeltern per WhatsApp verschicken? Eine Checkliste für Eltern gibt es dafür im Netz beim Deutschen Kinderhilfswerk oder deinkindauchnicht.org.
Und wie der Umgang der Eltern mit Fotos ist, beeinflusst auch den Umgang der Kinder später, zum Beispiel im Klassenchat. Auch hier geht die Sensibilisierung der Kinder schon früh los, indem die Eltern fragen, ob sie ein Foto, dass sie vom Kind gemacht haben, zum Beispiel in den Familienchat stellen oder zu Oma schicken dürfen. Dann merkt das Kind, es wird gefragt – und entwickelt ein Gefühl dafür, dass man auch später nicht wahllos einfach Fotos in den Klassenchat stellt.
Danke für das Interview!
Infos & Kontakt: jugendschutz-brandenburg.de
In einem weiteren Interview haben wir mit Kevin Matiszent, Bildungsreferent in der Medienwerkstatt Potsdam im fjs e.V., über die Entwicklung der Medienkompetenz, das erste Smartphone und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist und über die verschiedenen Angebote für Eltern und Fachkräfte gesprochen. Dieses Interview findet ihr hier: potskids.de/themenbeitrage/der-richtige-zeitpunkt-fuers-erste-handy
Text (gekürzt & leicht geändert): Familienmagazin „Lausebande“, September 2015, Mitglied der Familienbande
Zum Geburtstag 50 Euro von Oma, zum Schulanfang ein paar Geldscheine, das Spielgeld im Kaufmannsladen – Kinder kommen heute schon früh mit Geld in Berührung. Im Kindergartenalter geschieht das noch spielerisch. Die Kleine darf die Münze fürs Eis selbst über die Theke reichen. Der Große verlangt vom jüngeren Bruder Eintritt, bevor er ihn ins Puppentheater im Kinderzimmer lässt: „Zwei Geld fünfzig, bitte!“ Wenn die Kinder dem Kindergartenalter entwachsen, in die Vorschule kommen oder spätestens mit dem Schulanfang beginnt für Eltern ein neuer Aspekt der Erziehung: Taschengeld und damit verbunden die ökonomische Bildung.
Wer den Nachwuchs im Umgang mit Geld fit machen möchte, sollte das immer entsprechend dem Alter tun. Kindergartenkinder haben ein völlig anderes Verständnis von Geld als Jugendliche. Mit zwei, drei Jahren registrieren die Kleinen im Eiscafé oder im Supermarkt, dass Dinge bezahlt werden. Für sie ist das Bezahlen eine Art Ritual oder Spiel, ökonomisches Verständnis fehlt ihnen noch. Bis etwa sechs Jahre können Kinder den Wert von Geld noch nicht erfassen. Hätten sie die Wahl zwischen einem 50-Euro-Schein oder fünf 10-Cent-Münzen – sie würden wohl den Geldschein verschmähen, aber keineswegs aus Bescheidenheit. Fünf klimpernde Münzen sind für Kindergartenkinder interessanter als ein Stück Papier.
Im Grundschulalter lernen Kinder den Wert von Münzen und Scheinen, sie verstehen jetzt, dass es zwischen dem Geld und der gekauften Ware eine Beziehung gibt. Auch die Bedeutung und Berechnung von Wechselgeld erschließt sich ihnen. Das in der Grundschule erlernte Rechnen ist dafür eine wichtige Grundlage. Der Nachwuchs entwickelt jetzt auch konkrete Preisvorstellungen, weiß, was teuer und preiswert ist und wie viel bestimmte Dinge kosten. Zum Ende der Grundschulzeit wissen Kinder, dass es nicht nur Bargeld, sondern auch EC-Karten und Konten gibt. Und dass Geld durch Arbeit verdient werden muss. Mit etwa zehn bis zwölf Jahren entwickeln sie ein abstrakteres Verständnis für Geld und Wirtschaft. Sie können etwas mit den Begriffen Gewinn und Verlust, Kostendeckung und Handelsspanne anfangen. Im Laufe der Pubertät wird das ökonomische Verständnis noch komplexer: Sie lernen die Mechanismen der Marktwirtschaft kennen: Angebot und Nachfrage, Wettbewerb, Profit, Aktien.
Nein. Als rechtliche Grundlage wird dennoch gern der sogenannte „Taschengeldparagraph“ angeführt: „Ein von dem Minderjährigen ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters geschlossener Vertrag gilt als von Anfang an wirksam, wenn der Minderjährige die vertragsmäßige Leistung mit Mitteln bewirkt, die ihm zu diesem Zweck oder zu freier Verfügung von dem Vertreter oder mit dessen Zustimmung von einem Dritten überlassen worden sind.“ (BGB § 110)
Dieser Paragraph verpflichtet Eltern keineswegs zum Taschengeld. Er sichert vielmehr Händler*innen und Familien zu, dass es rechtlich zulässig ist, wenn sich Max ein Eis kauft oder Marie eine Tüte Gummibärchen. Das gilt allerdings erst für Kinder ab sieben Jahren. Bis zum siebenten Geburtstag sind Kinder „geschäftsunfähig“, das heißt, sie dürfen sich ohne Zustimmung der Eltern im Grunde nichts kaufen, weder Gummibärchen noch Eis. Im Alter von sieben bis siebzehn Jahren gilt der „Taschengeldparagraph“, allerdings beschränkt auf „normale“ Konsumgüter.
Eltern müssen – rein rechtlich gesehen – also kein Taschengeld zahlen. Warum sollten sie es dennoch machen? Die wichtigsten Gründe: Kinder lernen den Umgang mit Geld, sie übernehmen Verantwortung, sie werden selbständiger. Taschengeld hat also durchaus einen erzieherischen Wert. Wenn die Kleinen regelmäßig Taschengeld zu ihrer freien Verfügung erhalten, werden sie bald wichtige Lektionen lernen: Sie müssen sich ihr Geld einteilen, sie müssen mit einem bestimmten Betrag auskommen und sie müssen für größere Wünsche sparen. Kinder und Jugendliche können mit Taschengeld eigene Vorlieben und besondere Wünsche verwirklichen, und zwar ohne ständiges Nachfragen, ohne jedes Mal die Eltern um Erlaubnis zu bitten. Taschengeld ermöglicht somit ein Stück Selbstständigkeit und Selbstbestimmung. Damit lernen sie den Wert von Geld kennen. Sie merken, dass manche Dinge viel kosten, andere wenig, was billig und was teuer ist. Sie werden sinnvolle und scheinbar unnütze Sachen kaufen, sie werden sich vielleicht über Fehlkäufe ärgern und über Schnäppchen freuen. Zugleich lernen die Kinder, dass Geld nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.
Taschengeld kann auch dazu beitragen, dass (ältere) Kinder nicht ausgegrenzt werden. Wenn alle Freunde bereits Taschengeld bekommen, sollte man es dem eigenen Kind nicht mehr verwehren. Zudem ermöglicht das Geld den Kindern, mit ihren Freunden ins Kino zu gehen oder gemeinsam Eis zu essen.
Taschengeld ist also durchaus sinnvoll und wichtig. Spätestens mit dem Schuleintritt sollte es regelmäßige Beträge geben. Wer es seinem Kind zutraut, kann auch schon in der Vorschule oder nach dem vierten Geburtstag damit beginnen. Das ist ganz individuell und hängt auch davon ab, wie selbständig das Kind schon ist und ob es schon ein gewisses Verständnis für Zahlen, Mengen und Geld hat.
Im Vorschul- und Grundschulalter gilt: Das Taschengeld sollte wöchentlich ausgezahlt werden. Einen ganzen Monat können jüngere Kinder noch nicht überblicken und unter Umständen ist das Geld schon am Tag der Auszahlung ausgegeben. Das Taschengeld sollte von Seiten der Eltern, wie vereinbart, regelmäßig ausgezahlt werden. Das Taschengeld sollte altersgerecht in der Höhe sein. Richtwerte für die Höhe des Taschengeldes, abhängig vom Alter, hat das Deutsches Jugendinstitut herausgegeben (s. Infokasten).

Bereits Siebenjährige können mit Zustimmung der Eltern ein Girokonto bekommen. Kinder sollten jedoch erst ein grundsätzliches Gefühl für Geld und einen Überblick über ihre Finanzen haben, bevor sie bargeldlos zahlen, das ist meistens so um den zwölften Geburtstag der Fall. Wichtig dabei: Auch wenn die Eltern dem Giro- oder Sparkonto zustimmen müssen und die Vollmacht dafür haben, gehört das Vermögen den Kindern. Die Eltern dürfen von dem Guthaben also nichts für den nächsten Urlaub oder die Kinderzimmer-Einrichtung nehmen.
Der Vorteil eines Girokontos für Jugendliche unter achtzehn Jahren: Die Kinder erlernen den Umgang mit bargeldlosem Verkehr. Sie begreifen, dass man Geld auch ohne Scheine und Münzen ausgeben kann. Unter Achtzehnjährige bekommen keinen Dispo, sie können ihr Konto nicht überziehen und sich nicht verschulden – zumindest nicht bei der Bank. Auch eine Kreditkarte ist eine Option, für unter Achtzehnjährige eignen sich am besten sogenannte Prepaid-Kreditkarten. Sie werden mit einem bestimmten Betrag aufgeladen. Ist das Geld ausgegeben, kann man nicht mehr mit der Karte bezahlen – Überziehen ist auch hier nicht möglich. Da gerade das bargeldlose Bezahlen dazu verleitet, mehr auszugeben, als man eigentlich zur Verfügung hat, ist das eine ganz wichtige Lektion für junge Menschen. Zudem sollte auch bei bar gezahltem Taschengeld möglichst kein „Kredit“, sprich Vorschuss, gewährt werden, damit Kinder lernen, mit ihrem Geld zu haushalten.
Das Thema Noten und Taschengeld ist schwierig. Einige Eltern zahlen eine kleine Extra-Prämie, wenn der Nachwuchs sehr gute Noten mit nach Hause bringt. Ein Problem dabei: Kinder, die sich in der Schule schwer tun, werden doppelt bestraft – mit schlechten Noten und der ausbleibenden Prämie. Gerade bei Geschwistern kann das schwierig werden. Eine schöne Alternative kann ein gemeinsamer Besuch im Eiscafé zum Ferienstart sein – unabhängig davon, ob auf dem Zeugnis mehr Einsen oder mehr Vieren stehen.Auch Taschengeld(entzug) als Erziehungsmittel ist kritisch zu betrachten. Das Geld sollte unabhängig von Wohlverhalten ein fester Bestandteil des Alltags sein!
Ebenso wichtig, wenn auch manchmal nur mit tiefem Durchatmen zu akzeptieren: Die Kinder dürfen sich von dem Geld kaufen, was sie möchten. Ganz gleich, ob es der Lolli, die Sammelkarte oder das zwanzigste Kuscheltier ist: Eltern sollten sich nicht einmischen und sich gutgemeinte Ratschläge verkneifen. Taschengeld ist Haushalten für Anfänger*innen. Die Kleinen müssen den Umgang mit Geld also erst üben, dazu gehören auch Fehlkäufe. Solche Erfahrungen müssen die Kinder selbst machen, wenn sie lernen sollen, mit Geld umzugehen. Wenn Kinder das wünschen, können die Eltern ihren Rat anbieten und Tipps geben. Bei älteren Kindern sollte man absprechen, was vom Taschengeld bezahlt werden muss: Nur Süßigkeiten, Zeitschriften, Spiele oder auch Schulzeug und Klamotten? Dann sollte das Taschengeld entsprechend höher ausfallen oder besser gleich ein Budgetgeld vereinbart werden.
Für Jugendliche ab etwa vierzehn Jahren kann zusätzlich zum Taschengeld auch ein Budgetgeld gezahlt werden. Während sich die Kinder vom Taschengeld zusätzliche Wünsche erfüllen sollen, ist das Budgetgeld für notwendige Anschaffungen gedacht: Schulsachen, Verpflegung unterwegs, Kleidung. Wie beim Taschengeld wird ein fester Betrag gemeinsam vereinbart und regelmäßig ausgezahlt. Davon kauft das Kind dann Schulbücher, Füller, Mittagessen, Stiefel, Sommermantel etc. selbst. Das Kind muss Verantwortung für wichtige Anschaffungen übernehmen und Einteilen lernen. Es gibt keinen Streit mehr darum, ob es wirklich die Markenschuhe sein müssen. Will die Tochter unbedingt die 100-Euro-Hose, muss sie auf etwas anderes verzichten.
Eltern sollten sich überlegen, wie sie damit umgehen, wenn das Budgetgeld ausgegeben, aber eine wichtige Anschaffung nötig ist. Wichtig ist eine klare Trennung von Taschengeld und Budgetgeld. Beispielsweise könnte man das Taschengeld bar auszahlen und das Budgetgeld aufs Girokonto überweisen. Wer Budgetgeld erstmals einführt, sollte zunächst nur mit einem Teilbereich, zum Beispiel Kleidung, anfangen und nach geglückter Mission erweitern. Die Höhe ist vorab schwer zu kalkulieren und kann gegebenenfalls nach ein paar Monaten neu verhandelt werden
Gelderziehung funktioniert nicht nur über Reden, sondern auch nebenbei durch Vorleben. Sparsame Eltern werden vermutlich eher sparsame Kinder großziehen. Daher ist eine wichtige Voraussetzung für ökonomische Bildung schon bei Kleinen die Vorbildfunktion der Eltern. Dazu gehört Erstens: die Eltern sollten den ihrer Meinung nach richtigen Umgang mit Geld vorleben. Zweitens: über Geld spricht man doch! Auch wenn in unserer Gesellschaft Geld oft noch ein Tabuthema ist. In der Familie sollte Geld immer wieder Thema sein, nicht nur bei der Diskussion um die Höhe des Taschengeldes. Schon Dreijährigen kann man im Supermarkt erklären, warum man die preiswertere Marmelade kauft. Schulkinder können durchaus wissen, wieviel Geld ihre Eltern verdienen, welche Ausgaben für Miete etc. regelmäßig anstehen. Und für gemeinsame Anschaffungen oder Urlaube kann man schon ab einem gewissen Alter mit den Kindern zusammensitzen und sie an der Planung teilhaben lassen. Ziel sollten dabei die Beteiligung an Entscheidungen über bestimmte Familienausgaben und eine gewisse Transparenz sein.
Umgang mit Geld ist ein wichtiges Thema – Taschengeld ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, nicht nur eigene Wünsche unabhängig von den Eltern zu erfüllen, sondern vor allem entwickeln sie durch den regelmäßigen Umgang mit Geld ökonomische Kompetenzen, die sie bei wachsendem Konsumdruck im Jugendalter gut brauchen können!
Empfehlungen zum Taschengeld
MEDIENTIPPS:
Mein erstes Taschengeld
Mein Geld, dein Geld
„Ich will Geige lernen, wie Mozart!“ „Mein Lieblingsinstrument ist die Klarinette, die hat so einen tollen Klang.“ „Und ich möchte Schlagzeug lernen und richtig Krach machen.“ „Meine Mama spielt Klavier, das hört sich so schön an, das möchte ich auch lernen.“ So lauten die Antworten verschiedener Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren beim Tag der offenen Tür in der Musikschule auf die Frage, welches Instrument sie sich für sich selbst vorstellen. Danach gehen sie los und können sich Instrumente anhören, sich vieles erklären lassen und auch mal selbst etwas ausprobieren. Die meisten entscheiden sich im Anschluss für die Teilnahme an einem „Instrumentenkarussell“ –einem Kurs, in dem sie an verschiedenen Terminen drei bis vier Instrumente ausprobieren können, bevor sie sich für das Erlernen ihres Instrumentes entscheiden.
Musik ist etwas, das uns ein Leben lang begleitet. Schon ganz kleine Kinder wippen zu Rhythmen, kaum dass sie stehen können. Daher sind auch Percussion-Instrumente – die sogenannten Orff- Instrumente, wie Rasseln, Trommeln, Glockenspiele und Klangstäbe, die ersten, die in der Musikalischen Früherziehung zum Einsatz kommen. Musik geht uns emotional nahe. Bei fröhlicher Musik werden schon Babys lebhaft und lachen mit und bei ruhiger Musik beruhigen sie sich und lauschen entspannt.
In Babykursen mit den Eltern zusammen erfahren schon die ganz Kleinen, wieviel Spaß man mit Instrumenten und der eigenen Stimme haben kann – und dass Musik machen auch gemeinsames Musizieren bedeuten kann.
Wenn man so die Begeisterung für Musik entdeckt hat, ist es nicht verwunderlich, dass irgendwann der Wunsch eines Kindes kommt, ein Instrument zu lernen. Wir Eltern unterstützen diesen Wunsch oft – nicht nur, weil ein Instrument zu spielen die Intelligenz, Kreativität und Sozialkompetenz fördern soll, wie verschiedene Studien belegen, sondern einfach, weil Musik Spaß macht.
Doch diesem nicht unwesentlichen Spaßfaktor stehen auch andere Überlegungen gegenüber: Musikunterricht kostet Geld! Ebenso wie das Instrument, egal ob man es nun kauft oder leiht. Und die Erfahrung zeigt, dass das Können sich selten einfach von selbst einstellt. Gerade zum Erlernen eines Instrumentes gehören regelmäßiges Üben und Dranbleiben, wenn es mal schwierig wird. Mit all diesen Überlegungen im Hinterkopf ist es sinnvoll, ein möglichst passendes Instrument gemeinsam auszuwählen.
Die Wahl hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab. Zum einen natürlich vom finanziellen Rahmen, zum anderen aber auch wesentlich vom Interesse des Kindes. Wobei viele Kinder zu Anfang noch keine wirkliche Vorstellung davon haben, welche Möglichkeiten es eigentlich gibt. Daher bietet sich das Instrumentenkarussell natürlich an! Ein paar weitere grundsätzliche Dinge, die euch bei der Vorauswahl helfen können, haben wir hier zusammengetragen.
Faktoren des Körperbaus können eine große Rolle spielen bei der Wahl eines Instrumentes. Vieles lässt sich kompensieren, so können auch sehr zarte, kleine Personen grundsätzlich ein großes Instrument, wie zum Beispiel einen Kontrabass, spielen, aber es stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, mit der man vielleicht nicht unbedingt das Erlernen eines Instrumentes beginnen sollte. Die meisten Instrumente gibt es mittlerweile auch in Kindergrößen.
Neben der Körpergröße und -kraft spielt vor allem bei Blasinstrumenten der Atemdruck eine Rolle. Ebenso, ob das Kind ein Instrument in den Mund nehmen mag. Bei vielen Instrumenten ist auch eine gute Feinmotorik wichtig.
Es gibt geduldige und ungeduldige Kinder, manche können gut ruhig sitzen, andere benötigen mehr Bewegung. Für die einen sind schnelle Erfolge wichtig, andere sind ausdauernd und bringen schon eine gewisse Geduld mit. All dies spielt ebenfalls eine Rolle. Für lebhafte Kinder könnte zum Beispiel das Schlagzeug oder Cajon ein gutes Instrument sein.
Musikinstrumente fordern Kindern auch mental Unterschiedliches ab. Beim Klavier zum Beispiel muss das Gehirn Höchstleistungen erbringen, es ist mehrklängig, die eine Hand macht etwas ganz anderes als die andere, vielleicht kommen die Füße noch dazu, und man muss in der Lage sein, zwei Notenschlüssel gleichzeitig zu lesen. Das Klavier ist daher eher etwas für geduldige und gewissenhafte Kinder, auch wenn sich recht schnell die ersten Melodien erlernen lassen und sich bei regelmäßigem Üben bald Erfolge zeigen.
Ein monophones Instrument wie die Flöte dagegen hat den Vorteil, dass immer ein Ton nach dem anderen gespielt wird und es eindeutige Töne hervorbringt. Auch das Xylophon oder einfacher das Glockenspiel ist ein gutes Einstiegsinstrument. Hier stellen sich schnelle Erfolge ein.
Nach der Musikalischen Früherziehung, im Alter von 5 oder 6 Jahren, starten viele mit dem Erlernen eines Instrumentes. Einige Instrumente setzen jedoch eine gewisse Reife voraus und es ist erst ab einem Alter von 7 bis 10 Jahren sinnvoll, sie zu erlernen. Bei Blechblasinstrumenten zum Beispiel wird normalerweise dazu geraten, erst anzufangen, wenn die zweiten Zähne ausgebildet sind.
Auch wenn man bei der Geige schon eher sagen kann „Je früher, desto besser“, so gilt das nicht für jedes Instrument, weil ja nicht nur das Erlernen eine Rolle spielt, sondern auch das Dranbleiben. Die Geige verlangt ungemein viel Ausdauer, die viele 4- bis 6-Jährige noch nicht aufbringen können. Das regelmäßige Üben muss zudem neben Schule und anderen Freizeitaktivitäten Platz haben. Daher ist es ratsam, ein Instrument nicht gleichzeitig mit dem Schulanfang zu beginnen. In dieser Zeit ist dein Kind mit Anderem beschäftigt und sollte sich auf den Schulstart konzentrieren können.
Doch einsteigen kann man fast in jedem Alter – jünger sowie älter – letztendlich hängt es von deinem Kind ab. Manche entdecken schon mit 3 oder 4 Jahren ihr Lieblingsinstrument und andere möchten im Jugendalter beginnen, Gitarre oder Saxophon zu erlernen, weil sie es cool finden.
Wesentlich ist, dass dein Kind sein Musikinstrument aus eigenem Antrieb lernen möchte, nicht weil es die Träume seiner Eltern verwirklicht und eigentlich du selbst immer schon gerne Keyboard spielen wolltest – oder gar weil es pädagogisch wertvoll erscheint, ein Instrument zu erlernen.
Dein Kind sollte sich mit seinem Instrument identifizieren können, es sollte sein Instrument gerne in die Hand nehmen und seinen Klang lieben.
Doch egal, wie gut ein Instrument zu einem Kind passt, die Voraussetzung für das Erlernen eines jeden Musikinstrumentes ist das regelmäßige Üben. Dabei gilt: lieber einmal am Tag eine kurze Übungseinheit – meist 10 bis 20 Minuten – als einmal die Woche eine Stunde.
Auch Durststrecken wird es immer wieder geben. Über diese kann eine gute Routine etwas hinweghelfen: feste Zeitpunkte, zum Beispiel nach der Schule oder vor dem Abendessen, helfen, über Tiefs hinwegzukommen. Wir Eltern sollten hier möglichst Vorbild sein, unsere Kinder gut motivieren und das Üben nicht als lästige Pflicht darstellen, denn von den gelegentlichen Durchhängern mal abgesehen, ist es ja vor allem etwas Schönes, zu musizieren.
Wenn dann die ersten Melodien und Lieder gespielt werden können, das Instrument immer besser beherrscht wird, dann wird zunehmend die Vielfältigkeit der Musik sichtbar. Die Gefühle, die Musik auslösen und ausdrücken kann, und der Spaß, den man beim (gemeinsamen) Musizieren hat, sind etwas, das dein Kind ein Leben lang begleiten kann.
Die Altersangaben sind eher in Richtung „frühester Beginn“ zu betrachten. Für einige Kinder ist ein späterer Zeitpunkt günstiger, weil sie dann erst die Entwicklungsreife mitbringen. Natürlich gibt es auch Kinder, die schon früher mit einem Instrument starten.
Glockenspiel, Trommeln, Cajons, Percussions wie Triangel oder Tamburin: ab 3-4 Jahren
Hier sind schnell Erfolge zu erzielen, die Instrumente sind relativ robust und meist günstig in der Anschaffung.
(Block-)flöte: ab 4-5 Jahren
Die Blockflöte ist eines der häufigsten Einstiegsinstrumente und wird oft auch in der Gruppe unterrichtet. Man kann schnell eine Melodie erlernen und Erfolge erzielen. Oftmals wählen Kinder danach andere Instrumente, wie zum Beispiel Klarinette (ab ca. 8-10 Jahren) oder Querflöte (ab ca. 7 Jahren) .
Klavier: ab ca. 5 Jahren
Insbesondere für Kinder mit einer guten Auffassungsgabe und motorischem Geschick. Mit regelmäßigem Üben können schnell erste Melodien erlernt werden.
Geige: ab ca. 4-6 Jahren
Für Kinder mit Durchhaltevermögen für technische Übungen. Ein Instrument, das man lernen wollen muss.
Gitarre: ab ca. 5-6 Jahren
Das Kind sollte die Gitarre gut halten und umgreifen können. Die ersten Griffe und Akkorde sind rasch gelernt und schon nach circa einem Jahr kann man mit anderen zusammen Musik machen. Der Übergang zur E-Gitarre ist ab etwa 10 Jahren möglich.
(Blech-)Blasinstrumente wie Trompete, Saxophon, Tuba, Horn: ab ca. 8 Jahren
Wenn die zweiten Schneidezähne da sind und das Kind ein gewisses Atemvolumen hat.
Schlagzeug: ab ca. 8 Jahren
Die motorischen Voraussetzungen sind in der Regel ab etwa 8 Jahren vorhanden. Ein gutes Rhythmusgefühl und die Koordinationsfähigkeit von Armen und Beinen sind Voraussetzung.
Autorin: Nicole Luft
Wie in jedem Sommer startet für mehrere Tausend Kinder in Potsdam und Umgebung ein neuer Lebensabschnitt. Die Schulzeit beginnt. Für Kinder stehen in der Regel Vorfreude und Neugierde im Mittelpunkt, für Eltern bedeutet das, ihr Kind wieder ein bisschen mehr loszulassen. Alle müssen sich an die neue Situation gewöhnen. Wir haben Tipps und nützliche Informationen zusammengestellt für einen guten Anfang in der Schule. Wer sich zu einzelnen Themen vertieft informieren möchte, kann über die angegebenen Links auf unserer Webseite weiterlesen.
Die meisten Grundschulen haben sich auf ihre „Neuankömmlinge“ gut eingestellt. In den Wochen vor Schulbeginn gibt es in einigen Schulen sogenannte „Schnuppertage“. Sie dienen dazu, den Kindern ihre zukünftige Umgebung vertraut zu machen. Wenn du die Möglichkeit hast, nutze diese Tage!
Bevor es überhaupt losgeht mit der Schule, braucht dein Kind eine ganze Menge an Ausstattung, wie zum Beispiel einen Schulranzen (oder Schulrucksack/-tasche). Er sollte sowohl für den Rücken gesund sein als auch dem Kind gefallen. Leer sollte er maximal 1,3 Kilogramm wiegen und befüllt nicht mehr als 10 Prozent des Körpergewichtes haben. Auch sollte das Gewicht gut verteilt sein, wenn die Tasche voll ist. Dafür gibt es bestimmte Voraussetzungen. → Schulranzen - worauf Eltern achten sollten
Aber auch Materialien wie Hefte, Stifte etc. benötigt dein Kind. Für die richtige Schreibmotorik sind geeignete Stifte ein wichtiger Faktor. Haben die Stifte zum Beispiel eine rutschhemmende Oberfläche und die richtige Länge? In der Regel ab der 2. Klasse braucht dein Kind einen Füller, dafür ist es besonders ratsam, dass es mehrere Füller ausprobiert, damit Stift und Feder zur eigenen Motorik passen. → Den Stift im Griff haben
Linkshänder sollten für sie geeignete Materialien bekommen, wobei nicht alle unbedingt sinnvoll sind. Eine Linkshänderschere ist ein Muss, ein Lineal mit „entgegengesetzter“ Skalierung nicht. Da sich Linkshänder in einer zumeist auf Rechtshändigkeit eingestellten Welt zurechtfinden müssen, ist es ratsam, sie, wo es für sie möglich ist, mit Rechtshänder-Utensilien umgehen zu lassen. → Das mach ich doch mit links – oder?
Welche Materialien ansonsten wirklich gebraucht werden, erfährst du von den Lehrer*innen. Manche Läden in Potsdam bieten übrigens das kostenlose Einschlagen von Schulbüchern an, es muss nur das Material gezahlt werden. → www.potskids-branchenbuch.de/einkaufen/buero-schreibbedarf
Eine wichtige Vorbereitung ist das Üben des Schulweges, mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß. → Sicher zur Schule
Manche „alte“ Freundschaft aus Kita-Zeiten wird gelöst, weil Freund*innen eine andere Schule besuchen, man sich seltener sieht oder andere Kinder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Neue Freunde zu finden, ist eine nicht unwesentliche Aufgabe für dein Kind, und auch im späteren Schulleben wird es vielleicht einige Entscheidungen von seinem Freundeskreis abhängig machen. Wenn es deinem Kind schwerfällt, Kontakte zu finden, verabredet euch gemeinsam mit anderen Eltern und ihrem Kind zu einer Aktivität - am besten zu einer, die die gemeinsamen Interessen der Kinder trifft, damit diese gleich einen Anknüpfungspunkt finden.
Die Hattie-Studie hat ergeben, dass der wichtigste Faktor für den Lernerfolg von Kindern ihre Beziehung zur Lehrkraft ist. Wenn es dort echte Probleme gibt, solltest du das Thema angehen. → Du bist dazu einfach zu dumm
Dazu gehört es auch, nicht vor den Kindern schlecht von der Schule zu reden, das verunsichert sie und führt zu einem Loyalitätskonflikt. → Eingewöhnung in die Schule
Aber auch das eigene Engagement in der Schule trägt zu einer guten Beziehung mit der Schule bei. Und man bekommt vieles von dem mit, was in der Schule passiert. Es ist daher insbesondere zum Schulbeginn wichtig, zu den Elternabenden zu gehen! Und schon mal überlegt, Elternvertreter*in zu werden? → Mitmachen lohnt sich
Der Einstieg in die Schule ist für dein Kind eine große Herausforderung. Es begegnet ihm viel Neues. Da kann es in den ersten Schulwochen passieren, dass Dinge in der Schule liegenbleiben, Hefte oder Jacken vergessen werden. Am besten die wichtigen Sachen markieren, aber vor allem Geduld haben und dem Kind Zeit zur Eingewöhnung geben. Und vielleicht Verlorenes gemeinsam in der Schule suchen.
Die Voraussetzungen, die jedes Kind für die Schule mitbringt, sind sehr unterschiedlich. Vergleiche dein Kind nicht mit anderen. Auch ist es motivierender für dein Kind, wenn du seine Stärken beachtest, anstatt auf die Dinge zu schauen, die noch nicht so gut funktionieren. Wichtig ist es, insbesondere zu Beginn, die Motivation zu erhalten. → Motivation in der Schule → Intelligenz ist nicht alles
Es ist gut, wenn du deinem Kind vermittelst, dass ein aufregender, manchmal anstrengender, aber grundsätzlich spannender Lebensabschnitt mit der Schule beginnt.
„Mathe ist nicht allein rechnen, Mathe ist vor allem Forschen, Erkunden, Beweisen, Argumentieren! Hier trifft sich Mathematik mit Sprache; Kinder sollten über mathematische Sachverhalte diskutieren, Behauptungen beweisen oder widerlegen können. Ein paar Tipps für den Matheeinstieg: Finden Sie Oberbegriffe mit Ihrem Kind (Audi, VW und Traktor – was sind das alles?) Vergleichen Sie Anzahlen mit Ihrem Kind: Wo ist mehr als/weniger als? Ist ein Elefant mehr als eine Maus? Lassen Sie Ihr Kind schätzen: Haben wir mehr Messer als Löffel? Vergleichen Sie, ob 5 Finger nicht nur an einer Hand, sondern auch an 2 Händen (3 und 2) gezeigt werden können? Diskutieren Sie, wenn Sie zum Beispiel im Kino sind, auf dem wievielten Platz das Kind sitzt. Ist der 5. Platz das gleiche wie 5 Plätze? Je intensiver Sie mit Ihrem Kind sprechen und nachdenken über Anzahlen, desto besser bereiten Sie es vor.“ (Ute Grimm, Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche Potsdam) → Ein guter Einstieg in das Fach Mathe
Basteltipp: Zahlen-Memory
„Die Voraussetzungen, die Kinder zu Schulbeginn für das Schreibenlernen mitbringen, sind sehr unterschiedlich. Einige können schon detailreich malen, andere mühen sich zum Beispiel beim Zeichnen eines Menschen sehr ab oder haben keine Lust, einen Stift in die Hand zu nehmen. Leider wird in der ersten Klasse mit gleichem Maß gemessen und für jeden ABC-Schützen ist dann das „g“ gleich geformt. Deshalb rate ich allen Eltern vom Vergleich ab. Schauen Sie auf Ihr eigenes Kind. Gleich bei den ersten Hausaufgaben immer die Bemühung und die Selbstständigkeit loben, auch wenn die Buchstaben noch nicht perfekt geformt sind. Aller Anfang ist schwer: Bitte nicht schieben! Gelassene und wohlwollende Begleitung hilft am meisten.“ (Swantje Goldbach, Pädagogische Leiterin „Lernwerk“)
→ Vorlesen – eine Insel der Geborgenheit
Ein geregelter Tagesablauf kann deinem Kind Halt und Orientierung geben. In den ersten Schulmonaten empfiehlt es sich, nachmittägliche Aktivitäten und Termine erst einmal zu reduzieren, damit dein Kind nicht überfordert wird.
In der Schule werden – im besten Falle – bestimmte Rituale und Arbeitsformen grundlegend eingeführt: die tägliche Begrüßung, der Erzählkreis, die Reflexion mit den Kindern, das gemeinsame Frühstücken und die Pause mit den Paten aus der höheren Klasse zum Beispiel.
Aber auch zuhause muss ein neuer Rhythmus gefunden werden, für pünktliches Aufstehen und Losgehen zum Beispiel. Fällt das nicht so leicht, kann es eine Hilfe sein, eine Übersicht zu gestalten – eine „To-do-Liste“ in Bildern: Aufstehen, Anziehen, Frühstücken, Zähne putzen, Losgehen. Das Kind sollte möglichst selbständig dabei agieren.
Aber auch Hausaufgaben, Schreibtisch aufräumen und richtig die Schultasche packen gehört zu den neuen Ritualen, die eingeübt werden sollten. Dabei nicht die Pausen und Zeiten zum Ausruhen vergessen! → Das Stressthema Hausaufgaben → Hausaufgaben-Tipps für Eltern
Die Schule eröffnet Lernchancen und ist für dein Kind ein Weg zu mehr Selbständigkeit. Sie kann das Gefühl der eigenen Selbstwirksamkeit erhöhen und Kindern ihre Stärken bewusst machen. Wenn alles gut läuft. Was aber, wenn nicht? Es gibt eine Reihe ganz schulspezifischer Probleme, mit denen unsere Kinder konfrontiert sein können. Das fängt an beim Aushalten von Kritik, zum Beispiel für vergessene Hausaufgaben, und geht hin zu eventuell schlechten Bewertungen für Schulleistungen. Ein wenig sollten wir unseren Kindern schon zutrauen, etwas auszuhalten – das kann sie auch stärken. Bei allem Willen, dein Kind zu unterstützen, lass ihm genügend Raum zum Selbständigwerden, löse nicht sofort alle vermeintlichen Probleme selbst. Umgang mit Kritik und das Aushalten von Frustration gehören zum Leben dazu! → Resilienz – Von Löwenzahnkindern und Orchideenkindern
Mitunter treten massivere Schulprobleme auf: Lernschwierigkeiten, Schulangst, Mobbing, Unruhe (AD(H)S) und Konzentrationsprobleme. Wenn du den Eindruck hast, dein Kind leidet übermäßig in der Schule, dann suche das Gespräch mit den Lehrer*innen oder nimm andere Beratungsmöglichkeiten in Anspruch. → AD(H)S: Verträumt, verzappelt, abgelenkt → Mangelnde Konzentration – Wie kann Ergotherapie helfen? → Mobbing – Eingreifen statt wegsehen
Aller Anfang ist aufregend, und was Kinder in den ersten Schulwochen leisten, ist enorm. Deshalb sollte dein Kind genug Freizeit haben, die es selbst gestalten kann. Braucht es nach der Schule erst einmal Ruhe oder möchte es sich mit den neuen Freunden treffen? Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung ist wichtig. → Früh übt sich → Des Guten zuviel
Vielleicht sucht ihr euch, wenn es passt, für die ersten Ferien – die Herbstferien – einen ruhigen, schönen Urlaubsort zusammen aus. Oder ihr unternehmt etwas Besonderes hier vor Ort. Auch die ersten Ferien sind ein Grund zum Feiern. Ideen dazu findest du hier: → www.potskids.de/veranstaltungen-potsdam
Buchtipp: Gemeinsam schlau statt über Schule meckern
Mathematik ist nicht allein rechnen können, Mathe ist vor allem forschen, erkunden, beweisen, argumentieren! Hier trifft sich Mathematik mit Sprache – je mehr Kinder über mathematische Sachverhalte diskutieren, Behauptungen beweisen oder widerlegen können, desto besser sind die Kinder vorbereitet auf das, was dann in der Schule als Mathematikunterricht auf sie zukommt.
Es gibt viele Spiele mit Zahlen, aber man kann auch einfach Spiele abwandeln:
Autorin: Ute Grimm Zentrum Dyskalkulietherapeutin/Ausbildungsleitung ZTR
Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche Potsdam
Ein ausgekippter Schulranzen, ein aus dem Fenster geworfener Schuh, eine Rangelei auf dem Schulhof – so etwas kommt wohl in jeder Schule mal vor. Wenn aus gelegentlichem Ärgern regelmäßige Schikane wird, sollten bei Mitschüler*innen, Lehrer*innen und Eltern die Alarmglocken schrillen. Denn nicht nur im Arbeitsleben, auch in der Schule gehört Mobbing leider immer öfter zum Alltag.
Der Begriff „Mobbing“ stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie „Anpöbeln, jemanden bedrängen“. Mobber schikanieren einen Menschen über einen längeren Zeitraum mit dem Ziel, ihn aus einer sozialen Gemeinschaft auszugrenzen. Im englischsprachigen Raum hat sich dafür das Wort „Bullying“ durchgesetzt. Mobbing-Attacken können sich in Verleumdungen, Drohungen und Demütigungen – auch sexueller Natur – äußern. Körperliche und verbale Gewalt nehmen auch Außenstehende relativ schnell als Mobbing wahr. Schwieriger ist es mit indirekteren Formen von Mobbing: Bei sozialer Ausgrenzung und heimlichen Lästereien sehen Mitschüler*innen und Lehrer*innen oft weg oder verharmlosen die Leiden des Opfers, das anfangs oft typischerweise still vor sich hin leidet und die Schuld bei sich selbst sucht.
Eltern sollten aufmerksam sein, wenn ihr Kind plötzlich nicht mehr gern in die Schule geht, sich zurückzieht, schlecht schläft, sich nicht mehr konzentrieren kann und häufig über Kopf- oder Bauchschmerzen klagt. Schüler*innen und Lehrer*innen, denen auffällt, dass ein Kind häufig in der Schule fehlt oder nach Unterrichtsschluss oder in der Pause länger in der Klasse bleibt als alle anderen, sollten genau hinsehen. Witze auf Kosten des Gemobbten verbieten sich.
Ob die Anzahl der Mobbing-Fälle zugenommen hat, ist schwer zu ermitteln. „Fakt ist, dass Mobbing als Phänomen durch die wachsende Sensibilisierung stärker wahrgenommen wird“, sagt Wilfried Schubarth, Professor für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. „Jungen gehören weit häufiger zu den Tätern als Mädchen. Häufig handelt es sich um impulsive und dominante Jungen mit einer niedrigen Frustrationstoleranz und wenig sozialen Kompetenzen. Den Täter*innen fehlt fast immer die Fähigkeit und Bereitschaft, sich auf das Gegenüber einzulassen“, so Schubarth.
Internet und Handys haben Mobbern neue Möglichkeiten verschafft. Verleumdungen oder Beschimpfungen in sozialen Medien, das Verschicken von demütigenden Fotos per Handy oder das Veröffentlichen von entwürdigenden Videos im Internet haben gravierende Folgen. Mobbing ist damit nicht auf den Vormittag in der Schule beschränkt, sondern geht in der Freizeit weiter. Dass Internet-Mobbing kein Kavaliersdelikt ist, zeigt auch die Rechtssprechung. Erwachsene können dafür eine Höchststrafe von 5 Jahren erhalten. Jugendlichen drohen bis zu zehnmonatige Haftstrafen. Erwachsene, die von Internet-Mobbing gegen Kinder und Jugendliche erfahren, sollten zügig die Polizei informieren, damit diskriminierende Videos möglichst schnell aus dem Netz entfernt werden.
Schüler*innen, die gemobbt werden, sollten sich so schnell wie möglich Unterstützung und Beratung suchen. Entweder bei den Eltern, einem Lehrer oder einer Lehrerin, einer anderen Person, der sie vertrauen oder bei einer Beratungsstelle. Die Kontaktdaten der Beratungsstelle und auch eine erste Beratung findet man kostenlos beim Kinder- und Jugend-Notruf „Nummer gegen Kummer“: 0800.111 03 33. Niemand sollte aus Angst Gewalt und Erpressungsversuche über sich ergehen lassen.
Wilfried Schubarth ermuntert Lehrer*innen und Erzieher*innen zum Eingreifen: „Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens. Die Sache sollte mit der Klasse thematisiert werden. Zuvor aber müssen getrennte Gespräche geführt werden, damit das Opfer nicht erneut drangsaliert wird. Auch das Kollegium und die Eltern müssen mit einbezogen werden.“ Hilfreich sei es auch, in den Schulen Regeln gegen Mobbing aufstellen. Eine gute Schul- und Lernkultur wirke vorbeugend. Dafür sei eine gute Schüler-Lehrer-Beziehung mit gegenseitiger Wertschätzung und Achtung förderlich. Wer in der Lage ist, Konflikte kommunikativ auszutragen, hat es nicht nötig zu mobben. Den anderen wahrzunehmen, sich in ihn hineinversetzen können, Gefühle zu erkennen und selbst zu kommunizieren sind soziale Grundkompetenzen, die man gar nicht früh genug erlernen kann, ist sich Schubarth sicher. Der Erziehungswissenschaftler rät: „Frühzeitige Prävention verspricht den größten Erfolg. Am besten beginnt man damit schon im Kindergarten.“ Auch die Familien spielen dabei eine große Rolle.
In Potsdam bieten inzwischen mehrere Schulen Sprechstunden ausgebildeter Mediatoren an. Die Idee: Ohne Partei zu ergreifen, unterstützen die Mediatoren die Schüler*innen darin, die Wurzel ihrer Auseinandersetzung herauszuarbeiten. Ist der Konflikt bzw. die Bedürfnisse, die ihm zugrunde liegen bekannt, gelingt es den Parteien in der Regel leichter, sich gegenseitig zu respektieren anstatt sich zu bekämpfen. Autorin: Maren Herbst
Kindgerechter Einstieg ins Thema Mobbing
„Connie, Billi und die Mädchenbande“ von Dagmar Hoßfeld (CD mit Begleitheft zum Thema). Das Hörspiel ist gut gemacht und nicht nur in akuten Situationen hilfreich für Kinder und auch bestimmt für manch Erwachsenen.
Buchtipp für Eltern, Lehrer und Erzieher
„Gewalt und Mobbing an Schulen – Möglichkeiten der Prävention und Intervention“ von Wilfried Schubarth
Link zum Thema
Schülerinitiative www.schueler-gegen-mobbing.de
Rufnummern des Deutsches Kinderschutzbundes
Akuttelefon für Kinder: 0800.111 03 33
Akuttelefon für Eltern: 0800.111 05 50
Aus PotsKids! Februar 2011
Paul war ganz begeistert, als er in die Schule kam. Er konnte schon ein paar Buchstaben und freute sich darauf, mehr zu lernen – er war hochmotiviert! Heute kann er sich kaum mehr daran erinnern, wie sich das anfühlte – Lust auf Schule. Schule ist eher eine Qual geworden. Angefangen hat es mit Mathe, irgendwann hat er einfach nicht mehr verstanden, worum es ging. Er hatte keine Lust mehr auf die Hausaufgaben und hörte nicht mehr richtig zu, was die Lehrerin sagte. Als die Noten richtig schlecht wurden, hatte er manchmal sogar Angst, zur Schule zu gehen. Von Motivation keine Spur mehr. „Für Mathe bin ich einfach zu blöd“, meint er, „es lohnt sich doch gar nicht, sich dafür noch anzustrengen, oder?“
Was ist eigentlich „Motivation“? Sehr vereinfacht gesagt, ist es der innere Antrieb, der Menschen bewegt, etwas Bestimmtes zu tun. Eine gut ausgeprägte Schulmotivation ist die Voraussetzung dafür, dass ein Kind die in der Schule gestellten Anforderungen gut oder zumindest zufriedenstellend erfüllt und das bestenfalls auch noch gern tut. Nicht bei allen Kindern und nicht in jeder Lebensphase eines Kindes oder Jugendlichen ist das der Fall.
Zu Beginn ihrer Schulzeit saugen die meisten Kinder alles neu zu Lernende wissbegierig auf. Sie stellen Fragen, wollen Zusammenhänge erforschen und erzählen begeistert von den neuen Erkenntnissen. Dieses Lernen aus dem inneren Antrieb heraus nennt sich intrinsisch motiviert und ist laut Lernforscher*innen die beste Voraussetzung. Denn Lernen aus innerer Begeisterung an den Themen ist eine Grundlage, um tiefgründig einzusteigen und ein wirkliches Interesse zu entwickeln und auszuleben.
Doch warum hält bei vielen Kindern dieser innere Drang und damit das Lernen aus Freude nicht an? Zunächst einmal können Probleme mit fachlichen Inhalten dahinterstecken: Lernen bedeutet immer auch, sich mit Themen auseinandersetzen zu müssen, für die man sich weder interessiert, noch dass sie an eigene Erfahrungen anknüpfen. Nicht alles macht per se Spaß und das kann es ja auch nicht. So ist es völlig normal, wenn es mal zu Verständnisproblemen kommt.
Unterrichtsmethoden, die so angelegt sind, dass die Kinder dennoch Freude am Tun haben, sind genau in solchen Situationen besonders hilfreich und können es Kindern erleichtern, sich ein schwieriges oder für sie wenig spannendes Lerngebiet zu erschließen. Mancher Mangel an Motivation ist dann tatsächlich nur zeitweise und kein Grund zu großer Besorgnis.
Eine zweite wichtige Ursache für den Verlust der Motivatin kann der Umgang mit Strukturen und Organisatorischem sein: Hat ein Kind einen Schul- oder Klassenwechsel hinter sich, gibt es einen neuen Stundenplan, eine neue Sitzordnung? Diese Veränderungen zwingen Kinder aus ihrem gewohnten und damit einschätzbaren Umfeld und können zur Verunsicherung führen oder gar Ängste schüren, was sich natürlich auch auf die Motivation auswirkt. Mit größerer Schulerfahrung fällt es Kindern immer leichter, sich neuen Situationen anzupassen, aber gerade in den Schulanfangsjahren ist das eine große Herausforderung.
Der dritte Punkt betrifft den wichtigen Aspekt der sozialen Beziehungen. Das ist der Bereich, der aus der Elternperspektive am schwersten einzuschätzen und doch für den Lernerfolg von immenser Bedeutung ist. Störungen im sozialen Gefüge können vielfältig und verhängnisvoll sein. Ein Streit mit der besten Freundin kann die Konzentration auf die Matheaufgabe erheblich einschränken. Das Gefühl, in ihrer Klasse, ihrer Peer-Group, gut integriert zu sein, schafft Sicherheit. Sich in seiner Umgebung angenommen und sicher zu fühlen, ist die Basis für erfolgreiches Handeln. Auch die Beziehung zu den Lehrenden spielt eine bedeutende Rolle. Äußerungen wie: „Der Lehrer kann mich nicht leiden“ oder „Ich kann den Lehrer nicht leiden“ deuten auf ein Beziehungsproblem hin und sollten ernst genommen werden.
Und wenn sich wirkliche Lernprobleme negativ auf die Schulmotivation ausgewirkt haben? Eine pauschale Erklärung für Lernschwierigkeiten gibt es nicht, die Ursachen sind vielfältig. Kein Kind ist absichtlich schlecht in der Schule. Viele Lernblockaden und daraus resultierende Lernschwierigkeiten beruhen auf Stress aufgrund von Reizüberflutung, zu hohen Erwartungen – oftmals seitens der Eltern – Leistungsdruck, Angst vor Prüfungen oder familiären Belastungen. Aber auch eine Teilleistungsschwäche, wie eine LRS oder Dyskalkulie, kann Kindern den Schulalltag und alles, was damit zusammenhängt, erschweren. Sollte eine entsprechende Diagnose vorliegen, kann das eine neue Herangehensweise an die Problematik ermöglichen.
„Um ihre Kinder für schwierige Situationen im Leben zu wappnen, können Eltern vor allem vorbeugend aktiv werden. Das Zauberwort nennt sich Resilienz, was bedeutet, die psychische Widerstandskraft der Kinder in schwierigen Lebenssituationen zu stärken“, sagt die Lehrerin Ines Weghenkel. Für Kinder sind schlechte Lernergebnisse schwierige Lebensumstände, denn diese werden oft als Misserfolg und Versagen empfunden. Dazu kommt häufig die Angst vor der enttäuschten Erwartungshaltung der Eltern. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas für die Resilienz von Kindern zu tun. Grundlegend sind Liebe, Vertrauen und eine konstruktive Kommunikation. Niemand – auch Erwachsene nicht – gesteht gern Fehler, Schwächen oder eben auch eine schlechte Leistung ein, wenn er weitere Kritik zu erwarten hat. Eine schlechte Note ist kein Grund zur Verzweiflung, sondern zeigt, an welcher Stelle es noch Lernbedarf gibt, ist also der Ansatz zur Übung und Verbesserung. Um den Umgang mit Misserfolgen zu erlernen, brauchen Kinder Vorbilder im eigenen Elternhaus. Eltern stärken dabei ihre Kinder, wenn sie mit ihnen gemeinsam auf Ursachensuche gehen und Lösungswege finden. Und dies sollte niemals belehrend und verurteilend, sondern kooperativ und unterstützend geschehen.
Aus PotsKids! Februar 2020
ADHS ist die Kurzform für „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“, von der in Deutschland etwa 500.000 Schulkinder – also eines von 25 – betroffen sind. Noch sind die Ursachen nicht endgültig geklärt, doch gilt als sicher, dass es ein Zusammenwirken von genetischen, neurobiologischen und umweltbedingten Faktoren gibt. Die Vermutung, verstärkter Medienkonsum sei die Ursache für die Entstehung, lässt sich laut Untersuchungen so nicht halten, doch können bei ausgiebiger Mediennutzung Symptome einer bereits vorhandenen ADHS zum Vorschein gebracht werden, ebenso wie andere Umweltfaktoren diese verstärken können.
Die drei typischen Anzeichen einer ADHS sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Überaktivität, wobei einige betroffene Kinder vorwiegend impulsiv-hyperaktiv reagieren, andere vor allem Konzentrationsprobleme haben. Bei manchen Kindern treten alle drei Merkmale auf. Hyperaktiv-impulsive Kinder springen plötzlich im Unterricht auf und rennen herum oder platzen mit Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende formuliert wurde. Oftmals wird dann eine Negativspirale in Gang gesetzt: die Kinder erfahren Unverständnis oder Abweisung, manche ziehen sich zurück oder reagieren mit Wutanfällen und einer geringen Frustrationstoleranz. Kinder mit vorwiegend Konzentrationsstörungen sind oft verträumt und benötigen oft viel länger, um Lerninhalte zu erfassen.
Die Diagnose wird mitunter schon im Kindergartenalter, oft jedoch erst im Alter von 8 bis 9 Jahren gestellt, wenn es Auffälligkeiten in der Schule gibt. 50 bis 80 Prozent aller von ADHS betroffenen Kinder weisen Begleiterkrankungen auf. Am häufigsten sind dabei motorische Entwicklungsstörungen, die sich zum Beispiel als versehentliches Umstoßen von Gegenständen, Anstoßen an Türen und in einer ungelenken Handschrift zeigen. Auch depressive Störungen, eine Rechen- oder Lese-Rechtschreib-Schwäche und Tics wie Blinzeln oder Lautäußerungen treten gehäuft auf. Wenn es gelingt, die ADHS bereits zu diagnostizieren, bevor es zu negativen oder ablehnenden Reaktionen der Umwelt und zur Verfestigung von Begleiterscheinungen kommt, können dem betroffenen Kind und den auch immer mit betroffenen Familien unangenehme Erfahrungen erspart werden, zumal diese wiederum zu einer Verstärkung der Symptomatik führen können.
Sollten Eltern an ihrem Kind auffälliges Verhalten beobachten, das den Verdacht auf eine ADHS nahelegt, ist es ratsam, sich an eine Kinderärzt*in, eine entsprechende Beratungsstelle oder eine spezialisierte Therapeut*in zu wenden und dies nicht lange hinauszuzögern.
Wichtig ist eine genaue Diagnostik. Der Satz: „Wir versuchen es mal mit Ritalin“ sollte Eltern zum Einholen einer Zweitmeinung veranlassen, denn im sensiblen Bereich der Diagnostik kann die Schwierigkeit liegen: auf der einen Seite werden zu viele ADHS-Diagnosen gestellt („falsch positive“). Aber auch zu wenige: „ADHS-Kinder, die eher verträumt sind und nicht zappelig, werden meist erst spät oder gar nicht erkannt – sie fallen eben nicht als Störenfriede auf. Besonders selten sind verträumte Jungs – mit ihnen rechnet niemand“, so Dr. Myriam Menter, Vorsitzende von ADHS Deutschland e.V. Die korrekte Diagnostik aber stellt die Voraussetzung für eine adäquate und damit wirksame Behandlung dar. Zunächst werden diverse Tests – Konzentrations-, Entwicklungs- und Intelligenztests – mit dem Kind durchgeführt. Zusätzlich sollten ausführliche Informationen aus verschiedenen Lebensbereichen des Kindes eingeholt werden, von den unmittelbaren Bezugspersonen und natürlich von der Kita bzw. Schule. Auch das Kind selbst wird befragt, um die Entwicklung sowie die Situation in der Familie, Kita oder Schule zu analysieren.
Aufklärung und Beratung aller Beteiligten, Intervention im Kindergarten oder in der Schule, oftmals verhaltenstherapeutische Maßnahmen und manchmal auch eine medikamentöse Therapie sind Bausteine der Therapie einer ADHS.
Was bewirken jedoch die viel diskutierten und kritisierten Medikamente eigentlich? Der Wirkstoff Methylphenidat beispielsweise ist ein Stimulans, das in den Dopaminhaushalt im zentralen Nervensystem eingreift. Vereinfacht ausgedrückt, wird es möglich, irritierende Nebenreize auszublenden, so dass die Betroffenen Gespräche und Aktivitäten länger verfolgen, sich auf relevante Inhalte konzentrieren und angemessener reagieren können. Die Einnahme eines solchen Medikaments über einen bestimmten Zeitraum kann es, bei aller Skepsis, dem Kind ermöglichen, aus alten Verhaltensmustern herauszutreten und sich anders, nämlich konzentrierter und im sozialen Leben erfolgreicher, zu erleben, was wiederum eine positivere Reaktion der Umwelt nach sich zieht.
Die Kampagne „ADHS und Zukunftsträume“, hat das Anliegen, über die Erkrankung aufzuklären und Verständnis für die betroffenen Familien zu erzeugen. Der aus Ärztinnen und anderen Expertinnen zusammengesetzte wissenschaftliche Beirat der Kampagne fordert unter anderem, dass das Thema ADHS in die pädagogische Lehrerausbildung an den Hochschulen aufgenommen wird und ein spezielles ADHS-Screening bei den Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) erfolgt, um Betroffene früher diagnostizieren und angemessen behandeln zu können. Die Kampagne hat sich auch zum Ziel gesetzt, den Blick auf das Potential der betroffenen Kinder zu richten. Dr. Myriam Menter: „ADHS-Kinder haben viele Gaben und Stärken. Sie sind oft hilfsbereit, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und setzen sich in ihrer direkten Art konsequent für andere ein.“
Weltweit sind etwa 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen. Es handelt sich also mitnichten um eine Modeerscheinung unserer westlichen Kultur. Um ihnen eine gute Zukunft zu ermöglichen, braucht es Wissen über die Erkrankung und gute Rahmenbedingungen, keine pauschalen Vorurteile.
Aus PotsKids! Juli 2011