Was tut eigent­lich das Sozi­al­päd­ia­tri­sche Zen­trum Pots­dam (SPZ)

27.04.2021
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Foto: Kli­ni­kum West­bran­den­burg Kin­der- und Jugend­kli­nik, Potsdam

Ent­wick­lung ver­läuft sehr indi­vi­du­ell. Doch wenn Eltern dar­auf auf­merk­sam (gemacht) wer­den, dass sich ihr Kind anders ent­wi­ckelt als die Alters­ge­nos­sen, steht meist eine genaue Betrach­tung des Ent­wick­lungs­stan­des an. Wir haben mit der Fach­ärz­tin für Kin­der- und Jugend­me­di­zin, Schwer­punkt Neu­ro­päd­ia­trie, Dr. med. Mona Drees­mann über die Ange­bo­te des Sozi­al­päd­ia­tri­schen Zen­trums Pots­dam gesprochen.

Wel­che Kin­der und Jugend­li­chen kom­men zu Ihnen ins SPZ?

Zum einen sind es Kin­der, bei denen man mit einer gewis­sen Wahr­schein­lich­keit vor­aus­se­hen kann, dass Ent­wick­lungs­pro­ble­me auf­tre­ten könn­ten, zum Bei­spiel haben sehr früh gebo­re­ne Kin­der ein deut­lich erhöh­tes Risi­ko oder Kin­der mit Hirn­blu­tun­gen. Bei ihnen kann es spä­ter zu Bewe­gungs­stö­run­gen, Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­men oder der­glei­chen kom­men. Oder es wird schon prä­na­tal, also bei der Schwan­ger­schafts­vor­sor­ge, eine Dia­gno­se gestellt wie Tri­so­mie 21, die mit hoher Wahr­schein­lich­keit auch Ent­wick­lungs­pro­ble­me mit sich bringt.

Und dann gibt es Kin­der, die erst ein­mal ganz gesund gebo­ren wer­den und bei denen bei­spiels­wei­se durch aku­te Erkran­kun­gen oder erst im spä­te­ren Ver­lauf auf­fällt, dass sie sich viel­leicht lang­sa­mer oder anders ent­wi­ckeln als erwartet.

Wel­che Berei­che der Ent­wick­lung mei­nen Sie?

Es gibt ganz ver­schie­de­ne Ent­wick­lungs­be­rei­che: Spra­che, Moto­rik, geis­ti­ge Ent­wick­lung, Sozi­al­ver­hal­ten zum Bei­spiel. Die schau­en wir uns dann genau an.

Wie kom­men die Kin­der und Jugend­li­chen in der Regel zu Ihnen?

Ganz vie­le kom­men durch die Kin­der­ärz­te. Die­se arbei­ten heut­zu­ta­ge bei ihren U‑Untersuchungen mit den soge­nann­ten Grenz­stei­nen, das heißt, sie stel­len zu ver­schie­de­nen Fähig­kei­ten in einem Alter den Eltern Fra­gen und schau­en sich das Kind dar­auf­hin an. Wenn ein bestimm­ter „Punk­tes­core“ nicht erreicht wird, wird ein Arzt/eine Ärz­tin erst ein­mal auf­merk­sam und bestellt das Kind viel­leicht in kür­ze­ren Abstan­den ein, um zu schau­en, ob die Ent­wick­lung vor­an­geht oder ob es ein­fach nur eine kur­ze Ent­wick­lungs­pau­se war und es dann wie­der wei­ter­geht. Denn sowas ist völ­lig nor­mal in der kind­li­chen Ent­wick­lung. Das ken­nen vie­le Eltern, dass ihr Kind viel­leicht moto­risch tol­le Fort­schrit­te macht, aber sprach­lich pas­siert eine Zeit lang wenig. Kaum hat das Kind das freie Lau­fen erlernt, geht es dann sprach­lich wei­ter. Es ist ganz nor­mal, dass in einem Bereich die Ent­wick­lung auch ein­mal zum Still­stand kom­men kann oder ein Kind sogar etwas wie­der verlernt.

Und wann kom­men die Kin­der dann zu Ihnen?

Wenn die Ent­wick­lung län­ger­fris­tig stockt, kann es sein, dass die Ärz­te die Kin­der zu uns schi­cken. Es sind auch häu­fig Erzie­he­rin­nen, die die Eltern auf Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen auf­merk­sam machen. Die Kitas sind ins­ge­samt sehr gut geschult. Dort ist viel pas­siert in den letz­ten Jah­ren, durch das Ein­füh­ren von struk­tu­rier­ten Ent­wick­lungs­ge­sprä­chen. Die Erzie­he­rin­nen sind die­je­ni­gen, die die Kin­der jeden Tag erle­ben, die oft einen guten Ein­druck haben in der Lang­zeit­be­trach­tung. Doch der Weg zu uns läuft immer über eine Indi­ka­ti­on von einem (Kinder-)Arzt.

Wir haben einen gesetz­li­chen Auf­trag, der im Sozi­al­ge­setz­buch ver­an­kert ist, und der bedeu­tet im Prin­zip, dass ein Kind dann in einem SPZ ange­mel­det wer­den soll, wenn es nicht von einem Kin­der­arzt oder einer Früh­för­der­stel­le aus­rei­chend behan­delt wer­den kann. Wir sind also qua­si in der Dia­gnos­tik­stu­fe die Letz­ten in der Ket­te, was das The­ma Ent­wick­lungs­stö­run­gen angeht.

Das heißt, hier fin­det dann die Dia­gnos­tik statt und Sie ver­su­chen her­aus­zu­fin­den, wo das Pro­blem genau liegt?

Ja, genau. Es gibt ver­schie­de­ne Tie­fen der Dia­gnos­tik: ein­mal ein Scree­ning, dann eine Basis­dia­gnos­tik und gege­be­nen­falls eine Mehrbereichsdiagnostik.

Scree­ning meint, die Eltern bekom­men einen Fra­gen­bo­gen und geben zum Bei­spiel an, wie vie­le Wor­te ihr Kind sagt. So erfah­ren wir grob etwas über den Ent­wick­lungs­stand. Für die Basis­dia­gnos­tik gibt es stan­dar­di­sier­te Tests. Das Scree­ning und die­se Tests machen teil­wei­se auch die Kin­der­ärz­te selbst.

Und in der Mehr­be­reichs­dia­gnos­tik wer­den die ver­schie­de­nen Berei­che der Ent­wick­lungs­stö­run­gen betrach­tet. Wir schau­en neben dem Lebens­um­feld des Kin­des dann auch, ob es zum Bei­spiel neben der Sprach­stö­rung noch moto­ri­sche oder geis­ti­ge Ent­wick­lungs­stö­run­gen gibt.

Was erwar­tet die Eltern bei einer Dia­gnos­tik hier vor Ort genau?

Die Eltern bekom­men zunächst ein­mal einen Fra­ge­bo­gen, der vie­le Berei­che abbil­det, damit wir eini­ge Vor­in­for­ma­tio­nen haben: den Vor­stel­lungs­grund und dann natür­lich die gan­ze Vor­ge­schich­te vom Kind, Schwan­ger­schaft, Geburt, Erkran­kun­gen etc. Das sind für uns sehr wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen, um eine ers­te Ein­schät­zung vor­neh­men zu kön­nen. Es ist für uns auch gut, wenn es Berich­te aus der Kita oder vom Kin­der­arzt gibt, die wir ein­be­zie­hen kön­nen. Dann ver­su­chen wir, uns auf­grund der Infor­ma­tio­nen erst ein­mal ein Bild zu machen und bei Ter­mi­nen dann unse­re ver­schie­de­nen Fach­ge­bie­te hin­zu­zu­zie­hen, wie Kin­der­arzt, Psy­cho­lo­gen, Heil­päd­ago­gin, Sprach‑, Phy­sio- oder Ergotherapeuten.

Eine kur­ze Zwi­schen­fra­ge: Wenn die Eltern den Bogen nicht selbst aus­fül­len kön­nen oder sich damit über­for­dert füh­len, gibt es dann Unterstützung?

Ja, gege­be­nen­falls gibt es Unter­stüt­zung beim Aus­fül­len, wir betreu­en zum Bei­spiel ja auch Kin­der von Geflüch­te­ten. Oder der Kin­der­arzt kann hel­fen. Da fin­det sich immer ein Weg.

Und beim ers­ten Termin?

Die Eltern ler­nen erst ein­mal den zustän­di­gen Arzt ken­nen, dafür neh­men wir uns in der Regel viel Zeit, so 1,5 Stun­den. Dort wird das Gespräch mit den Eltern geführt und par­al­lel das Ver­hal­ten des Kin­des beob­ach­tet: wie agiert es? Ist es sehr still oder räumt es das gan­ze Zim­mer aus? Wie bewegt es sich? Wie ist die Inter­ak­ti­on? Nimmt es Blick­kon­takt auf? Kann es sich alters­ent­spre­chend unter­hal­ten? Kann es sich selbst gut regu­lie­ren oder weint es die gan­ze Zeit? etc. So ent­steht ein ers­ter Ein­druck. Dann gibt es eine ganz nor­ma­le kör­per­li­che Untersuchung.

Bei wei­te­ren Ter­mi­nen ste­hen zum Bei­spiel die Sprach­dia­gnos­tik oder heil­päd­ago­gi­sche Dia­gnos­tik im Mit­tel­punkt. Oder viel­leicht ein Intel­li­genz­test, wenn es in Rich­tung Schu­le geht.

Und dann läuft hin­ter den Kulis­sen rela­tiv viel. Es gibt Team­be­spre­chun­gen, bei denen wir alles zusam­men­tra­gen, uns über För­der­maß­nah­men Gedan­ken machen oder wo über spe­zi­el­le Unter­stüt­zun­gen auch für die Eltern gespro­chen wird. Es ist eine Idee in den SPZ, dass man qua­si den Blick etwas wei­tet und das Kind im Kon­text der Umge­bung sieht, in der es aufwächst.

Was möch­ten Sie bei der Dia­gnos­tik genau herausfinden?

Ein­mal geht es um das Fest­stel­len des Ent­wick­lungs­stan­des – also ob ist das Kind alters­ge­recht ent­wi­ckelt ist – in Spra­che, Kogni­ti­on etc. Oder gibt es Auf­fäl­lig­kei­ten, eine gro­ße Abwei­chung von dem, was das Kind eigent­lich kön­nen müss­te? An dem Punkt machen wir uns Gedan­ken, ob nicht doch eine Grund­er­kran­kung vor­lie­gen kann.

Bei Ihnen ist also ein wich­ti­ger Schwer­punkt die Dia­gnos­tik der poten­ti­ell dahin­ter­ste­hen­den Grunderkrankung?

Genau. Das ist der medi­zi­ni­sche Hin­ter­grund, der par­al­lel betrach­tet wird. Wobei man sagen muss, dass es für uns Neu­ro- und Sozi­al­päd­ia­ter eine Revo­lu­ti­on ist, dass man heu­te so viel gene­tisch her­aus­fin­den kann. So kön­nen wir häu­fig eine kon­kre­te Dia­gno­se bei schwe­ren Ent­wick­lungs­stö­run­gen stel­len, wenn dies von den Eltern gewünscht ist. Laut wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en ist es meist eine Ent­las­tung für die Eltern, den Grund zu wis­sen – dass es zum Bei­spiel nicht an feh­len­der Kom­pe­tenz bei der Erzie­hung liegt, son­dern dass Kin­der und Jugend­li­che mit der­sel­ben Dia­gno­se auch die­se Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen oder Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten haben.

Ziel ist es dabei, die rich­ti­gen För­der­mög­lich­kei­ten zu emp­feh­len, dazu gehö­ren unter ande­rem The­ra­pien oder eine Inte­gra­ti­ons-Kita. Für vie­le Eltern ist es auch wich­tig, dass sie eine rea­lis­ti­sche Pro­gno­se zu den Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten ihres Kin­des erhalten.

Es gibt natür­lich auch Kin­der, die eine Auf­hol­ent­wick­lung zei­gen, das heißt, die zum Bei­spiel mit der ent­spre­chen­den För­de­rung bei schwe­ren Sprach­auf­fäl­lig­kei­ten für das spä­te­re Berufs­le­ben eine gute Aus­bil­dungs­pro­gno­se haben. Wir haben hier natür­lich auch vie­le Pati­en­ten, wo uns klar ist, das es sich ver­mut­lich nicht „aus­wächst“.

Wie reagie­ren die Eltern auf eine sol­che Diagnose?

Das ist ganz unter­schied­lich – auch inner­halb von Paa­ren. Eini­ge möch­ten mög­lichst ganz genau wis­sen: Kann mein Kind spä­ter selb­stän­dig leben oder wird es in einer Behin­der­ten-WG woh­nen und in einer Behin­der­ten-Werk­statt arbei­ten? Und ande­re, die leben im Hier und Jetzt und sagen: „Ich fin­de mein Kind toll, so, wie es jetzt ist. Und ob es auf eine nor­ma­le Schu­le geht oder auf eine För­der­schu­le, ist mir eigent­lich egal. Mein Kind ist jetzt 1,5 Jah­re alt und ich möch­te das gar nicht wis­sen.“ Jeder hat ande­re Bewältigungsstrategien.

Bie­ten Sie auch Unter­stüt­zung für die Eltern an oder gibt es dafür eher Selbsthilfegruppen?

Wir bie­ten immer an, mit einem unse­rer Psy­cho­lo­gen zu spre­chen, als Paar oder auch allei­ne. Es ist ganz wich­tig, die Eltern zu beglei­ten. Oft­mals ist das The­ma ja nicht etwas, das viel­leicht nach einem hal­ben Jahr ver­ar­bei­tet ist. Es ist ja gege­be­nen­falls eine lebens­lan­ge Begleit­pro­ble­ma­tik, die immer mitschwingt.

Das ist für vie­le Eltern kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be, dies alles ins Leben zu inte­grie­ren. Aber es gibt wirk­lich vie­le Eltern, vor denen ich den Hut zie­he, was die alles leis­ten! Zumal mei­ner Mei­nung nach die Gesell­schaft ihnen viel zu wenig Wert­schät­zung entgegenbringt.

Selbst­hil­fe ist auch immer gut, da sind vie­le von unse­ren Eltern ganz enga­giert, fin­den viel­leicht im Ange­sicht der neu­en Situa­ti­on Auf­ga­ben, hel­fen ein­an­der. Das hal­te ich für eine tol­le Bewäl­ti­gungs­stra­te­gie. Vie­le kön­nen sich da wirk­lich auf die Schul­ter klopfen!

Wel­che staat­li­chen Unter­stüt­zun­gen gibt es für die Familien?

Was der Staat an sozi­al­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten anbie­tet, ist sicher­lich mehr als in ande­ren Län­dern, aber es ist oft mit sehr vie­len Antrags­for­mu­la­ren, Wider­sprü­chen und so wei­ter ver­bun­den. Das fin­de ich manch­mal beschä­mend. Da ver­su­chen wir eben­falls, die Eltern zu unterstützen.

Es gibt Eltern, die gut mit der Beein­träch­ti­gung ihres Kin­des umge­hen kön­nen, für die aber der Zeit­auf­wand für das gan­ze Drum­her­um – Anträ­ge, Ter­mi­ne etc. – enorm belas­tend ist, weil es manch­mal meh­re­re Stun­den die Woche in Anspruch nimmt. Das wür­de ich mir für die Fami­li­en anders wünschen.

Vie­le Kin­der las­sen sich auch nicht ein­fach so in „antrag­ge­rech­te Kate­go­rien“ ste­cken und dann wird es manch­mal schwie­rig. Wir machen dazu Stra­te­gie­ge­sprä­che, zu denen wir Jugend­amt, Sozi­al­amt, Kita, Pfle­ge­dienst und Ein­zel­fall­hel­fer zusam­men ein­la­den und uns gemein­sam bespre­chen. Die Idee ist ja eigent­lich, dass wir immer vom Kind und von der Fami­lie aus den­ken: Was hat das Kind für eine Beson­der­heit, wel­che Stär­ken und Schwä­chen, wie kann das Kind gut ler­nen in Kita und Schu­le? Und wel­che Betreu­ungs­an­ge­bo­te gibt es, so dass die Eltern beru­higt zur Arbeit fah­ren kön­nen? Oft klappt das super. Ich sehe das als einen Teil der Auf­ga­ben der SPZ, hier den Eltern Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te aufzuzeigen.

Des­halb ist es gut, wenn es Mög­lich­kei­ten wie das SPZ gibt, wo man beglei­tet wer­den kann und nicht allei­ne mit dem The­ma ist.

Das heißt, Sie sind nicht nur hier inter­dis­zi­pli­när auf­ge­stellt, son­dern auch in ganz Pots­dam gut ver­netzt, um die Unter­stüt­zung für die Fami­li­en gewähr­leis­ten zu können?

Genau. Es gibt zum Bei­spiel die Früh­för­der­stel­len. Die sind total enga­giert und wir arbei­ten ganz eng zusam­men – auch außer­halb von Pots­dam – weil unser Ein­zugs­ge­biet grö­ßer ist. Im Land Bran­den­burg sind die Früh­för­der­stel­len noch haupt­säch­lich heil­päd­ago­gisch auf­ge­stellt, so dass wir hier den Weg noch nicht ganz abge­schlos­sen haben in die inter­dis­zi­pli­nä­re Früh­för­de­rung, was das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz eigent­lich vorsieht.

Machen Sie hier auch Therapie?

Wenig. Oft nur, um ein Kind in der Ent­wick­lung noch ein­mal über einen Zeit­raum genau­er zu betrach­ten. Wir haben aber eine Musik­the­ra­peu­tin hier für einen Tag pro Woche. Und vie­le Grup­pen­an­ge­bo­te, wie Kon­zen­tra­ti­ons­trai­ning für Kin­der mit ADHS oder eine Grup­pe für an Epi­lep­sie erkrank­te Kin­der und deren Eltern. Aber auch zu Erzie­hungs­kom­pe­ten­zen. Erzie­hungs­auf­ga­ben ver­än­dern sich im Ange­sicht von schwie­ri­gen Situa­tio­nen, den anspruchs­vol­len Leis­tun­gen, die Eltern erbrin­gen, und den Sor­gen, die sie haben. Das kann eine sehr gro­ße Belas­tung sein, wenn man nicht nur dem nor­ma­len Erzie­hungs- und Beglei­tungs­auf­trag nach­kom­men soll, son­dern noch eini­ges mehr aus­hal­ten muss.

Zudem gibt es natür­lich medi­ka­men­tö­se The­ra­pien und wir ver­ord­nen sehr vie­le Heil­mit­tel, wie Sprach‑, Ergo- oder Phy­sio­the­ra­pie. Aber auch Hilfs­mit­tel, wie Roll­stüh­le, Tal­ker etc.

Bis zu wel­chem Alter kom­men die Kin­der und Jugend­li­chen zu Ihnen?

Von 0 bis 18 Jah­ren. Als Kin­der und Jugend­ärz­te ken­nen wir uns auch ganz gut mit der Jugend­pro­ble­ma­tik aus. Wenn zum Bei­spiel ein Jugend­li­cher mit 16 Jah­ren eine Epi­lep­sie ent­wi­ckelt, dann ist das nicht ein­fach, denn eigent­li­che befin­det er sich im Ablö­se­pro­zess vom Eltern­haus, und die sit­zen viel­leicht da und machen sich gro­ße Sor­gen. Da kann ein Jugend­li­cher in eine ganz schö­ne Lebens­kri­se gera­ten, wenn sich plötz­lich vie­le Zukunfts­aus­sich­ten ver­än­dern … er darf viel­leicht kei­nen Füh­rer­schein machen und auch die Berufs­wahl ist eingeschränkt.

Gibt es lan­ge War­te­zei­ten im SPZ?

Man hat zunächst tat­säch­lich rela­tiv lan­ge War­te­zei­ten, lei­der. Akut Erkrank­te haben natür­lich Vor­rang, zum Bei­spiel bei Ver­dacht auf Epi­lep­sie. Bei all­ge­mei­nen Ent­wick­lungs­stö­run­gen im Kitaal­ter beträgt die War­te­zeit mit­un­ter vier bis sechs Mona­te und Schul­kin­der war­ten lei­der auch schon mal über ein hal­bes Jahr.

Was soll­ten Eltern Ihrer Mei­nung nach noch wissen?

Wir rich­ten hier auf­trags­ge­mäß natür­lich den Blick vor­ran­gig auf die Defi­zi­te der Kin­der und Jugend­li­chen. Aber wir emp­feh­len ger­ne auch Ange­bo­te, die den Kin­dern unab­hän­gi­ge, posi­ti­ve Erfah­run­gen in ande­ren Berei­chen ermög­li­chen, wie Sport- oder Musik­grup­pen. Es ist wich­tig für alle, den Blick nicht nur auf die Pro­ble­ma­tik zu rich­ten, son­dern sich immer auch auf die Suche nach den Stär­ken zu machen, um zu ver­su­chen, Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen. Und dabei nicht immer an den schu­li­schen Kon­text zu den­ken. Auch Kin­der mit einer schwe­ren LRS oder Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­men kön­nen spä­ter im Berufs­le­ben und im Leben all­ge­mein glück­lich und erfolg­reich sein. Wich­tig ist, dass man den Kin­dern und Jugend­li­chen sagt: „Du kannst wirk­lich an dich glauben!“

Infos: www.klinikumwb.de
Adres­se: Beh­lertstra­ße 45a, 14467 Potsdam

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