
Laura ist verzweifelt, ihre kleine Tochter Sarah ist jetzt fast 2 Monate alt, sie schreit sehr viel, schläft schlecht und an manchen Tagen trinkt sie nur wenig. Oft wirkt sie abwesend und in sich gekehrt. Ist das normal?, fragt sie sich. Der Kinderarzt hat gesagt, sie gedeihe normal, aber am Tag der U-Untersuchung war Sarah auch ungewöhnlich fröhlich und aufgeweckt.
Marco beobachtet seinen Sohn Paul auf dem Spielplatz im Sandkasten, er krabbelt lächelnd vor sich hin. Ein kleines Mädchen spricht ihn an und will ihm ihre Schaufel geben. Er schaut hoch und krabbelt dann weiter. Wie alt mag das Mädchen wohl sein?, überlegt Marco und fragt die Mutter, die nicht unweit sitzt – „18 Monate“, sagt die Mutter stolz. „Das war der Moment, in dem ich mich wirklich erschrocken habe“, erzählt Marco später seiner Frau. „Sie war genauso alt wie unser Sohn und er war das Baby und sie ein fröhlich brabbelndes, umherrennendes Kleinkind, das Kontakt suchte. Stimmt etwas mit unserem Sohn nicht?“ Er liebt seinen Sohn, seine ruhige fröhliche Art, aber dieses Erlebnis geht ihm nicht aus dem Kopf.
Pepe ist ein quirliger, fröhlicher Dreieinhalbjähriger. Er hat viele Freunde im Kindergarten, in den er sehr gerne geht. Doch eines fällt der Erzieherin bald auf: Pepe spricht wenig und wenn, dann so undeutlich, dass man ihn kaum versteht. Die Erzieherin beschließt, die Eltern im nächsten Gespräch darauf aufmerksam zu machen.
Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Kindliche Entwicklung ist ein Ergebnis von genetischen Veranlagungen und Umwelteinflüssen wie Erziehung, aber auch körperlichen Einflüssen wie den Umständen der Geburt, Ernährung, Bewegung etc. All dies bestimmt den Rahmen der Möglichkeiten zur Entwicklung, zur Reifung und des Lernens. Die Varianz des sogenannten „Normalen“ ist insgesamt ziemlich groß. Es gibt Kinder, die lernen zum Beispiel mit 10 Monaten Laufen und andere erst mit 20 Monaten. Wo das eine Kind in der Krabbelgruppe schon auf allen Vieren die Welt erkundet, kann das andere noch wie Karl der Käfer auf dem Rücken liegen und noch keine Anstalten machen, sich zu drehen. Das alles kann eine ganz normale – also dem Durchschnittlichen entsprechende – Entwicklung sein. Eltern stehen jedoch häufig unter einem großen Druck, wenn Kinder miteinander verglichen werden, und machen sich entsprechend Sorgen, ob ihr Kind sich gesund und altersgemäß entwickelt.
Bei den U-Untersuchungen des Kinderarztes wird anhand der sogenannten „Grenzsteine der Entwicklung“ abgeklärt, ob die Entwicklung des Kindes im Rahmen des „Normalen“ liegt oder ob eine Entwicklungsverzögerung oder -störung vorliegt. Sollte Letzteres der Fall sein, verweisen Ärzt*innen weiter zur Frühförderung, zu Logopäd*innen, Physiotherapeut*innen oder anderen Fachleuten.
Doch manchmal sorgen sich Eltern dennoch und möchten gerne auch außerhalb der U-Untersuchungen klären, ob mit ihrem Kind alles in Ordnung ist. „Wir finden es wichtig, dass die Eltern sich immer dann einen Rat holen können, wenn sie verunsichert sind. Sie sollen gerne viele Fragen stellen und keine Hemmungen haben, sich an eine Beratung zu wenden. Auch in Erziehungsfragen“, so Bärbel Derksen vom Familienzentrum „Vom Säugling zum Kleinkind“ an der Fachhochschule Potsdam. „In unsere Beratungsstelle kommen oft Eltern, deren Babys sogenannte Regulationsstörungen haben, die beispielsweise viel schreien, nachts nicht schlafen, heftig trotzen oder sehr schüchtern sind. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Temperament, Beziehungsprobleme in der Familie, wie der Wechsel vom Paar zur Familie, Eltern, die noch sehr jung sind, oder es gibt auch organische Ursachen.“ Die Beratungsstelle mit dem Schwerpunkt „Frühe Entwicklung“ richtet sich an Eltern von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren und ihr Angebot reicht vom Begleiten über Beraten bis hin zu Methoden der Säuglingstherapie – in Einzelfällen wird auch Entwicklungs- oder Beziehungsdiagnostik durchgeführt.
Direkt nach der Geburt setzt das Angebot der Familienhebammen und Familien-Gesundheits-Kinderkrankenpflegerinnen (FGKiKP) in Potsdam an. Anfragen für Frühgeborene kommen in der Regel über die Geburtenstationen oder über die sozialmedizinische Nachsorge, wenn die Familie hierüber bereits versorgt wird. Aber auch schon vor der Geburt werden Anträge gestellt, zum Beispiel über die Schwangerschaftsberatungsstellen, wenn absehbar ist, dass die Familie allgemein Unterstützung benötigen kann. Die Bereiche gesunde Entwicklung, Frühförderung und Früherkennung werden bei der Begleitung der Familie natürlich immer im Blick behalten und oft wird die Unterstützung benötigt, um die Eltern zu begleiten, zum Beispiel zum Kinderarzt, zur Frühförderstelle oder ins Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ). Im Rahmen der Frühen Hilfen kann die Familie hier bis zum 3. Geburtstag des Kindes unterstützt werden.
Die Kinder- und Jugendmediziner*innen spielen bei der frühen Diagnose von Entwicklungsverzögerungen eine zentrale Rolle, von daher solltest du keine U-Untersuchung verpassen. Und solltest du unsicher sein, lass dich am besten beraten. Beratungsangebote in Potsdam und Umgebung, wie Frühförderstellen, Familienzentren, Neuro-Pädiatrie, Frühe Hilfen, Hebammen, Kinder- und Jugendmedizinerinnen und mehr findest du in unserem Familienbranchenbuch.
Laura hat sich an die Elternberatung im Familienzentrum Schwielowsee gewendet und sich danach auf Empfehlung noch mal ganz genau mit ihrem Kinderarzt besprochen, der sie an eine Physiotherapeutin überwiesen hat, da er Blockaden im Wirbelbereich festgestellt hat.
Marco und seine Frau haben sich mit ihrer Kinderärztin besprochen, die nach verschiedenen Entwicklungstests die beiden ans SPZ in Potsdam überwiesen hat, wo eine seltene genetische Erkrankung festgestellt wurde. Nach dem ersten Erschrecken sind sie jetzt froh, die Diagnose zu kennen, und Paul bekommt die nötige Förderung. „Wir lieben unser Kind so, wie es ist“, sagt Marco, „aber das Vergleichen hat aufgehört – Paul ist einfach Paul!“
Auf Empfehlung der Kita-Erzieherin haben Pepes Eltern die Beratung einer Frühförderstelle aufgesucht und Pepe geht jetzt zur Sprachtherapie, um seine Sprachentwicklungsverzögerung noch vor Schulbeginn aufzuholen.