Schla­fen Teil 3: Haupt­sa­che aus­ge­schla­fen

25.08.2020
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Kind­li­che Schlaf­stö­run­gen gibt es vie­le

Vor­hin spran­gen sie noch als wil­de Pira­ten, Räu­ber und Hexen her­um, jetzt lie­gen sie im Bett und haben eines gemein­sam: den fried­li­chen Gesichts­aus­druck, den Eltern an ihren schla­fen­den Kin­dern so lie­ben. Was aber, wenn sich von einer Sekun­de auf die ande­re alles ändert? Beim Nacht­schreck (Pavor Noc­turnus), der vor allem im Klein­kind­al­ter auf­tritt, erwacht das Kind plötz­lich aus dem Tief­schlaf. Es schreit, reißt die Augen auf, scheint Angst zu haben und ist doch nicht rich­tig wach. Die Eltern bekom­men einen gehö­ri­gen Schreck und wun­dern sich, dass sich das Kind am nächs­ten Tag an nichts erin­nern kann.

„Der Nacht­schreck ist eine Para­s­om­nie – ein Ereig­nis, das wäh­rend des Schla­fes ein­tritt, des­sen Erho­lungs­ef­fekt aber nicht nega­tiv beein­flusst“, erklärt Tho­mas Erler, Ärzt­li­cher Lei­ter und Chef­arzt der Kin­der- und Jugend­kli­nik am Kli­ni­kum West­bran­den­burg in Pots­dam und Lei­ter des Kin­der-Schlaf­la­bors. Zu den Para­s­om­ni­en zäh­len auch Zäh­ne­knir­schen, Schlaf­wan­deln (Som­nam­bu­lis­mus) und Alb­träu­me. Sie ver­schwin­den meist spä­tes­tens in der Puber­tät. Tre­ten sie gehäuft auf, soll­te man den Kin­der­arzt auf­su­chen, um etwa nächt­li­che Epi­lep­sie aus­zu­schlie­ßen.

Schlaf­wan­deln­de sind nur schwer zu wecken und reagie­ren dann oft aggres­siv. Auch sie wis­sen am nächs­ten Mor­gen nichts von den nächt­li­chen Ereig­nis­sen. Eltern soll­ten des­halb nicht ver­su­chen, ihr Kind zu wecken, son­dern es ein­fach wie­der ins Bett brin­gen. „Sichern Sie die Schlaf­um­ge­bung, also Fens­ter, Türen und Trep­pen, und las­sen das Kind nicht im Hoch­bett schla­fen“, rät Erler. Bei Klas­sen­fahr­ten soll­ten die Lehrer*innen infor­miert wer­den, damit nachts nichts pas­siert. „Es han­delt sich oft um sehr phan­ta­sie­vol­le Kin­der, die am Tag viel erlebt haben“, hat der Schlaf­me­di­zi­ner beob­ach­tet. Wis­sen­schaft­lich sei die­ser Zusam­men­hang jedoch nicht bewie­sen. Beim Nacht­schreck kön­ne fami­liä­rer Stress die Ursa­che sein.

An ihre Alb­träu­me kön­nen sich Kin­der meist gut erin­nern und sie ihren Eltern genau beschrei­ben. „Oft hilft es, am Tag über die schlim­men Träu­me zu spre­chen und mit dem Kind Abwehr­stra­te­gien zu ent­wi­ckeln“, so Erler. „Wenn im Traum immer wie­der eine furcht­erre­gen­de Gestalt auf­taucht, kann das Kind zum Bei­spiel einen Käfig malen, in den das Mons­ter ein­ge­sperrt wer­den soll. Das Bild kommt dann zur Beru­hi­gung unter das Bett.“ Alb­träu­me kom­men bei Kin­dern häu­fi­ger vor als bei Erwach­se­nen und sind nichts Unge­wöhn­li­ches. Wenn sie nicht ver­schwin­den, ist ärzt­li­cher Rat hilf­reich.

Auch wenn Para­s­om­ni­en die Eltern tüch­tig erschre­cken: Der Schlaf bleibt erhol­sam. Aus­ge­schla­fe­ne Kin­der wer­den mor­gens schnell wach und sind tags­über aktiv. Die nöti­ge Schlaf­men­ge ist indi­vi­du­ell aller­dings sehr unter­schied­lich: Bei fünf Mona­te alten Säug­lin­gen vari­iert sie nach Anga­ben der Deut­schen Gesell­schaft für Schlaf­for­schung und Schlaf­me­di­zin (DGSM) zwi­schen 8 und 18 Stun­den. Bei Zwei­jäh­ri­gen liegt sie zwi­schen 10 und 16 Stun­den und bei Fünf­jäh­ri­gen zwi­schen 9 und 13 Stun­den. Abwei­chun­gen sind aber auch mög­lich, ohne dass das Kind des­halb krank sein muss. (Maren Herbst)