Schla­fen Teil 1: Jedes Kind schläft anders

25.08.2020
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Babys und Klein­kin­der wachen oft auf – das ist normal

„Na, schläft es schon durch?“ – Die­se Fra­ge hören vie­le jun­ge Eltern öfter, als ihnen lieb ist. In den ers­ten Wochen und Mona­ten nach der Geburt, wenn sie über­näch­tigt den All­tag meis­tern, hin­ter­fra­gen vie­le das Schlaf­ver­hal­ten des eige­nen Babys. In den ers­ten Lebens­mo­na­ten sind 16 bis 18 Stun­den Schlaf in 24 Stun­den für Babys völ­lig nor­mal. Der Wech­sel zwi­schen Nah­rungs­auf­nah­me und Schla­fen bestimmt zunächst den Baby­all­tag. Ob es Tag oder Nacht ist, spielt für Säug­lin­ge noch kei­ne Rolle.

„Das Beson­de­re am Säug­lings­al­ter ist, dass das Schlaf­be­dürf­nis der Säug­lin­ge von dem der Eltern stark abweicht“, sagt Tho­mas Erler, Ärzt­li­cher Lei­ter und Chef­arzt der Kin­der- und Jugend­kli­nik am Kli­ni­kum West­bran­den­burg in Pots­dam und Lei­ter des Kin­der-Schlaf­la­bors. „Je län­ger die­se Dis­kre­panz andau­ert, des­to müder wer­den die Eltern.“ Eltern, die den­ken, dass ihr Baby zu wenig schläft, haben meist selbst ein Pro­blem. Und zwar mit den Schlaf­ge­wohn­hei­ten ihres Kindes.

Eltern, die unsi­cher sind, ob ihr Kind genug schläft, rät Erler, ein Schlaf- und Wach­pro­to­koll zu erstel­len. Drei bis vier Wochen lang wird notiert, wann, wie lan­ge und unter wel­chen Umstän­den das Kind schläft. Um den Schlaf­be­darf pro 24 Stun­den zu ermit­teln, wird die gesam­te Schlaf­men­ge durch die Anzahl der pro­to­kol­lier­ten Tage geteilt. „Meist fin­den die Eltern her­aus, dass ihr Kind viel mehr schläft, als sie dach­ten“, so Erler. „Eine Schlaf­stö­rung im Sin­ne einer Erkran­kung, die behan­delt wer­den muss, ist rela­tiv sel­ten.“ Eltern soll­ten sich nicht zu sehr unter Druck set­zen. „Für die gesun­de Ent­wick­lung ist es nicht zwin­gend not­wen­dig, dass die nöti­ge Schlaf­men­ge in einem Stück geschafft wird“, sagt Erler. „Die Min­dest­men­ge an Schlaf pro 24 Stun­den vari­iert je nach Alter.“

Nach Anga­ben der Deut­schen Gesell­schaft für Schlaf­for­schung und Schlaf­me­di­zin (DGSM) ver­läuft das meist so: Wäh­rend des ers­ten Lebens­jah­res nimmt die Schlaf­men­ge ins­ge­samt ab und das Kind schläft über­wie­gend nachts, oft mit zwei Schlaf­pha­sen am Tag. Bis zum zwei­ten Geburts­tag sind Kin­der in der Lage durch­zu­schla­fen. Wann Klein­kin­der auf­hö­ren, tags­über zu schla­fen, ist sehr unter­schied­lich. Oft ist es im drit­ten oder vier­ten Lebens­jahr soweit. Grund­schul­kin­der schla­fen abends meist schnell ein und wachen früh auf. Sie benö­ti­gen zwi­schen 8 und 12 Stun­den Schlaf. In der Puber­tät ver­rin­gert sich das Schlaf­be­dürf­nis auf 7 bis 9 Stun­den. Der Schlafrhyth­mus ver­schiebt sich nach hin­ten und die Jugend­li­chen kom­men mor­gens nur müh­sam aus dem Bett.

Für eine gesun­de Ent­wick­lung ist es wich­tig, dass der Mensch sowohl die akti­ven als auch die ruhi­gen Pha­sen des Schla­fes durch­lebt. Die akti­ven REM-Pha­sen, in denen sich die Aug­äp­fel unter den geschlos­se­nen Lidern hin und her bewe­gen („Rapid Eye Move­ment“), fin­den im Tief­schlaf statt und sind für die Ent­wick­lung des Gehirns unver­zicht­bar. In den Non-REM-Pha­sen, dem soge­nann­ten Erho­lungs­schlaf, wer­den Wachs­tums­hor­mo­ne aus­ge­schüt­tet. Kin­der, die über einen län­ge­ren Zeit­raum nicht in den Tief- oder in den Erho­lungs­schlaf fal­len, sind nicht nur über­mü­det, son­dern haben Ent­wick­lungs- und Wachstumsstörungen.

Genau wie bei den Erwach­se­nen gibt es schon bei Klein­kin­dern unter­schied­li­che Schlaf­ty­pen. Die soge­nann­ten Ler­chen wachen früh am Mor­gen auf, sind mun­ter und wer­den abends früh müde, wäh­rend die soge­nann­ten Eulen mor­gens Start­schwie­rig­kei­ten haben und dafür in den Abend­stun­den beson­ders aktiv und leis­tungs­fä­hig sind. Damit Babys und Klein­kin­der bes­ser ein- und nachts durch­schla­fen, sind Ritua­le am Abend und Ruhe in der Nacht hilf­reich. Schlaf­me­di­zi­ner nen­nen das Schlaf­hy­gie­ne. Dazu gehört, das Kind nicht gleich aus dem Bett zu neh­men, wenn es nachts auf­wacht oder nicht sofort auf jedes Erwa­chen zu reagie­ren. Eltern soll­ten ihr Kind nachts auch nicht zum Essen oder Trin­ken ani­mie­ren. „Machen Sie die Nacht nicht zum Tag“, rät Erler. Auch Licht sei ein ent­schei­den­der Takt­ge­ber. Eltern soll­ten des­halb in der Nacht nur bei gedämpf­tem Licht und in ruhi­ger Atmo­sphä­re die Win­deln wech­seln. Und das auch nur, wenn wirk­lich nötig. Dann kom­men irgend­wann alle zur Ruhe. (Maren Herbst)