
In unserer Rubrik „Angeschaut & Ausprobiert“ seid ihr eingeladen, mit Freund:innen oder der ganzen Klasse mitzumachen und Potsdamer Museen, Kulturhäuser, Orte für Kinder oder ganz besondere Veranstaltungen zu erkunden. Wer zwischen 8 und 12 Jahren alt ist und Lust dazu hat, meldet sich per E‑Mail bei uns: ausprobiert@potskids.de.
Diesmal haben uns für euch im Baumkronenpfad BAUM & ZEIT umgeschaut.
Text & Fotos: Tina Hoffmann
Familien kommen vor allem für den Baumkronenpfad BAUM & ZEIT zu den ehemaligen Heilstätten. Kinder ab 7 Jahren können in Begleitung Erwachsener allerdings auch an der Führung „Faszination Alpenhaus“ teilnehmen. Fanny (9) und Mara (9) durften bei dem Erlebnis dabei sein.
Als wir ankamen, hatten wir noch etwas Luft, bevor wir uns am Treffpunkt einfinden sollten – was die Zeit bis dahin vertreiben würde, stand schnell fest: die Sky-Boa. Für das Erlebniselement, das schon von unten spektakulär aussah, hieß es aber erst einmal: richtig viele Treppen steigen. Als wir an den Röhren standen, von denen eine oberhalb und eine unterhalb des Baumkronenpfades entlangführte, war die Aufregung bei den Mädels groß. Sie beschlossen, zuerst die obere zu durchklettern, was ziemlich fix ging. Ich hatte zum Glück unser Gepäck und die Sonnenhüte als Ausrede, um nur zuzusehen! Für die untere Röhre war dann deutlich mehr Überwindung nötig. Kein Wunder, denn dort sah man durch das Gitter, wie weit oben man sich befand. Trotzdem wollten sie es adrenalinberauscht nach dem ersten Durchgang direkt nochmal machen. Dann rückte die Führung näher und wir spazierten zum Alpenhaus, das erst seit drei Jahren wieder zugänglich ist, das man auf eigene Faust allerdings nicht betreten darf.

Die ersten Infos bekam die Gruppe vor dem Gebäude. Die umfassten eine Einführung in die ab 1898 erbauten Lungen-Heilstätten allgemein und auch speziell in das Alpenhaus, das inzwischen von der Natur zurückerobert wurde. Für wen waren die Heilstätten gedacht? Was ist Tuberkulose? Wie muss man sich die damaligen Verhältnisse in Berlin vorstellen? Dies und vieles mehr wurde dabei erklärt. Ein bisschen hatte die Konzentration bei den Kindern bereits nachgelassen, als das Tor geöffnet wurde und wir den spannenden Ort betreten durften. Ein Helm war dabei für alle Pflicht, weiß für kleine, grün für größere Köpfe.
Die Faszination war bei Jung und Alt deutlich zu erkennen und die Geschichten über die „Pfleglinge“ aus Berlin, die teilweise erst lernen mussten, wie man mit einer Gabel isst, vermittelten unterhaltsam einen Eindruck von der damaligen Zeit. Dazu wurden historische Fotografien gezeigt und es gab auch einiges zu lachen. Die Vielbettzimmer der Männer wurden beispielsweise damals „Musikzimmer“ genannt, weil dort so laut und viel geschnarcht wurde.

Beim Rundgang durch das Gebäude erfuhr die Gruppe außerdem, dass das Alpenhaus bereits mehrfach als Filmkulisse genutzt wurde, wie hochwertig die Ausstattung war und vieles mehr. Gegen Ende der rund einstündigen Tour waren Fanny und Mara aber meist mehr ins Fotografieren vertieft und vor allem an ihren eigenen Entdeckungen interessiert – verständlich bei den fast unendlichen Motiven, die der Lost Place bietet: von rostigen Betten und Wannen über Graffitis an den Wänden bis hin zu einem einsamen Tisch im verlassenen Speisesaal. Als die Helme abgelegt waren und wir blinzelnd vom Dunkeln ins Sonnenlicht traten, sagten beide, dass sie es sehr spannend fanden. Aber sie wollten offensichtlich keine Zeit mit Reden verschwenden, sondern schnell zurück zur Sky-Boa. Also alle Stufen nochmal hoch …

Die Aufregung war schon nicht mehr so groß wie noch vor der Führung, dafür wurde diesmal eine richtige Fotosession daraus. Genau wie an der Riesenhängematte mit ihren großen Sitzkissen. Die wurde zuerst nur vorsichtig wie ein rohes Ei betreten, dann aber schnell zur Spielwiese, die sie gar nicht mehr verlassen wollten. Ich genoss in der Zeit den Blick von oben auf die Alte Chirurgie mit ihren kunstvoll bepflanzten Balkonen. Weiter ging es dann ganz gemütlich. Das Zittergitter, das, anders als der Rest des Pfades, mit seinem Holzbelag den Blick nach unten freigab, war nach der Riesenhängematte und der Sky-Boa keine ganz große Herausforderung mehr, aber doch ein kleines Highlight. Toll war, dass der Pfad mit seiner Gesamtlänge von 700 Metern auch den Blick von oben auf das Alpenhaus ermöglichte. Erst von dort wurde das ganze Ausmaß des Gebäudes erahnbar. Auch die vielen Bäume und Sträucher, die aus dem Gemäuer und auf dem Dach wachsen, waren aus dieser Perspektive nochmal beeindruckender. Die Infotafeln zu den vielen unterschiedlichen Baumarten auf dem Areal wurden zumindest sporadisch gelesen und dabei noch die eine oder andere Englischvokabel wie blossom oder leaf gelernt.
Am Ende wollten die beiden unbedingt noch in den Souvenirshop in der ehemaligen Waschküche, um sich ein Andenken an den schönen Ausflug zu kaufen. Fündig zu werden, war in dem liebevoll eingerichteten Laden nicht schwer. Sehr zufrieden spazierten wir Richtung Bahnhof. Auf die Frage, was ihnen am besten gefallen hat, waren sich beide einig: Sie fanden alles toll!
Straße nach Fichtenwalde 13, 14547 Beelitz-Heilstätten, baumundzeit.de/anfahrt